Der goldene Handschuh
Die Toten und die Schimmligen

Gäbe es Geruchskino, man säße ungern in dieser Romanverfilmung: „Der Goldene Handschuh“ ist zweifellos der ekligste Film seit langer Zeit. Allerdings wird das Heinz Strunks vielgefeierter Buchvorlage durchaus gerecht: Auch die hatte es fertiggebracht, dass man sich nach jedem Kapitel duschen wollte.

Donnerstag, 21.02.2019, 16:38 Uhr aktualisiert: 21.02.2019, 16:53 Uhr
Fritz Honka (Jonas Dassler) versteckt Leichenteile und kämpft gegen den Geruch an.
Fritz Honka (Jonas Dassler) versteckt Leichenteile und kämpft gegen den Geruch an. Foto: dpa/Warner

Regisseur Fatih Akin („Tschick“) reproduziert den Siff und Schmodder des Kiez-Milieus der frühen 1970er Jahre ganz hervorragend: In der titelgebenden Kaschemme auf St. Pauli treffen sich die Vollalkoholiker zum Kornsaufen, es sind Abgehängte, die vom Wirtschaftswunder der Nachkriegsjahre nichts mitbekommen haben.

Einer davon ist Fritz Honka – ein buckliger, schielender Werftarbeiter, der schüchtern durch die Gegend schlurft, aber zum Tier wird, wenn er, mit viel Promille im Blut, alte Frauen in seine verdreckte, mit Nippes und Nacktbildchen dekorierte Wohnung mitnimmt.

Vier Frauen brachte der reale Honka um, er verstaute die Leichenteile auf dem Dachboden, kämpfte mit Wunderbäumen gegen den Verwesungsgestank an, bis die Maden irgendwann in die darunterliegende Wohnung tröpfelten.

Der Goldene Handschuh

1/10
  • «Der Goldene Handschuh» erzählt von dem Serienmörder Fritz Honka, der grandios von dem erst 23-jährigen Jonas Dassler gespielt wird.

    Foto: Warner Bros.
  • Bei der Berlinale feierte der Film seine Premiere - und polarisierte.

    Foto: Warner Bros.
  • Nach dem NSU-Drama «Aus dem Nichts» hat Fatih Akin seinen ersten Horrorfilm gedreht.

    Foto: Warner Bros.
  • "Der Goldene Handschuh" ist die Verfilmung von Heinz Strunks erfolgreichem Tatsachenroman über den Serienmörder Fritz Honka .

    Foto: Warner Bros.
  • Der brachte in der 70er Jahren in Hamburg vier Frauen um.

    Foto: Warner Bros.
  • Der erst 23-jährige Jonas Dassler ("Das schweigende Klassenzimmer") schlüpft mit dicker Maske in diese Rolle des Mörders. 

    Foto: Warner Bros.
  • Der Film erzählt von Honkas Leben und den Morden, aber auch vom Milieu in der Kneipe "Der Goldene Handschuh" in Hamburg-St. Pauli. 

    Foto: Warner Bros.
  • Zwischen Trinkern, Prostituierten und anderen Gestalten der Nacht, kann man einsamen Frauen am Besten näherkommen und ihnen nachstellen.

    Foto: Warner Bros.
  • Im "Goldenen Handschuh" treffen sich die Wirtschaftswunder-Verlierer.

    Foto: Warner Bros.
  • Fritz Honka (Jonas Dassler) hat ein neues Opfer abgeschleppt.

    Foto: Warner Bros.

Auf der Berlinale empörten sich viele Rezensenten, der Film weide sich an den Mord- und Zersägeszenen, entwürdige damit die Opfer. Jonas Dassler („Das schweigende Klassenzimmer“) spielt den Serienmörder allerdings so hart an der Grenze zur Groteske, dass man nicht anders kann, als den Film als stilisierten Horrorfilm zu betrachten. Suspense zum Beispiel gibt es kaum, Akin beobachtet lieber in langen, staunenden Einstellungen.

Sehenswert – für die, die’s ertragen – sind in jedem Fall die Kneipenszenen, die, schlagerbeschallt von Heintje und Adamo, ein grausig-pointiertes Bild dieses Milieus aus einer untergegangenen bundesrepublikanischen Epoche zeichnen.

Die Filmstarts der Woche (ab dem 21. Februar)

1/6
  • Der verlorene Sohn: Drama mit Lucas Hedges, Nicole Kidman und Russell Crowe (115 Minuten)

    Bewertung: 3 von 5 Sternen

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    Foto: Universal
  • Die Winzlinge - Abenteuer in der Karibik: Animationsfilm (92 Minuten).

    Bewertung: 3 von 5 Sternen

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    Foto: Weltkino
  • Can You Ever Forgive Me?: Komödie mit Melissa McCarthy und Richard E. Grant (107 Minuten)

    Bewertung: 3 von 5 Sternen

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    Foto: Fox
  • Mein Bester & ich: Remake mit Kevin Hart, Bryan Cranston und Nicole Kidman (126 Minuten)

    Bewertung: 1 von 5 Sternen

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    Foto: Constantin
  • Der Goldene Handschuh: Literaturverfilmung von Fatih Akin mit Jonas Dassler (110 Minuten)

    Bewertung: 3 von 5 Sternen

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    Foto: Copyright Warner Bros. GmbH
  • Vice – Der zweite Mann: Biopic mit Christian Bale, Amay Adams und Steve Carell (134 Minuten)

    Bewertung: 3 von 5 Sternen

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    Foto: Universum
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