Zwischen den Zeilen
Literaten mit Neurosen

Oberflächlich betrachtet haben wir es hier mit einer typisch französischen Beziehungskomödie zu tun: Léonard ist mit Valérie verheiratet, unterhält aber eine Affäre mit Selena. Selena ist die Frau von Alain, der aber mit der jungen Laure ins Bett steigt. Bäumchen wechsel dich, quirlige Dialoge, charmante Darsteller – man kennt das.

Donnerstag, 06.06.2019, 15:24 Uhr aktualisiert: 06.06.2019, 16:09 Uhr
Selena (Juliette Binoche), die Gattin eines Verlegers, liebt einen Schriftsteller.
Selena (Juliette Binoche), die Gattin eines Verlegers, liebt einen Schriftsteller. Foto: dpa

Genauer besehen aber hat dieser Film kaum etwas mit diesen typisch französischen Beziehungskomödien zu tun. Denn „Zwischen den Zeilen“ ist ein Film von Olivier Assayas . Der Pariser Regisseur nimmt sich mit jeder neuen Arbeit andere Themen und Genres vor (zuletzt die moderne Geisterstory „Personal Shopper“) und kreist darin doch immer wieder um die gleichen Gegensätze: vertraut und ungewiss, wirklich und fiktiv.

Diesmal sind seine Figuren in der Literaturszene tätig und geben sich genau so neurotisch, wie man es von einer Branche erwartet, die zwischen Druck und Digitalisierung um Orientierung ringt. Léonard (Vincent Macaigne) ist ein Schriftsteller, der seine Zeit als aufstrebendes Talent hinter sich hat, Alain (Guillaume Canet, „Liebe mich, wenn du dich traust“) sein zweifelnder Verleger. Alains Frau Selena, Léonards Geliebte, wird von Juliette Binoche gespielt, die hier (nach „Ende eines Sommers“ und „Die Wolken von Sils Maria“) zum dritten Mal mit Assayas zusammenarbeitet. Alain wiederum turtelt mit einer Digitalstrategin (Christa Théret, „Renoir“) herum, was seine Zwickmühle symbolisch zusammenfasst: der Papierverleger im Bett mit der Zukunft.

Während sich das Beziehungsgeflecht in an Éric Rohmer geschulten Dauerdialogen auseinanderwickelt, geht’s darunter um die harten Themen der kulturellen Jetztzeit: Wer liest noch Bücher oder Zeitungen in Zeiten von Push-Nachrichten und Twitter? Wird wirklich weniger gelesen oder einfach anders? Assayas legt einen kulturdiagnostischen Feuilleton-Artikel vor, im Deckmantel einer Boulevardkomödie über bourgeoise Kulturmenschen (mit tollen Stadtwohnungen und Landhäusern). Das geht auf. Sehenswert.  

Bewertung

Zwischen den Zeilen: Komödie mit Juliette Binoche und Gauillaume Canet (107 Minuten).

Bewertung: 4 von 5 Sterne

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