Filme der Woche
„Kursk“: Kein Sauerstoff im Atom-U-Boot

Die K-141 „Kursk“ war gerade erst in der Barentssee angekommen, um an einem Manöver der russischen Nordflotte teilzunehmen, als ein Übungstorpedo explodierte: Das eindringende Wasser flutete das Atom-U-Boot, die Kursk sank auf den Meeresboden. Nur 23 der 118 Männer konnten sich in eine letzte ungeflutete Sektion flüchten. Die nun beginnende Taktierei ist denn auch der spannendste Aspekt des Films.

Donnerstag, 11.07.2019, 14:44 Uhr aktualisiert: 11.07.2019, 15:50 Uhr
Der Kapität (Matthias Schoe­naerts) geht an Bord – auf seine letzte Reise.
Der Kapität (Matthias Schoe­naerts) geht an Bord – auf seine letzte Reise. Foto: Wild Bunch

 Dort hätten sie wohl noch gerettet werden können – hätten die Marineoffiziere nicht so zögerlich herumtaktiert und tagelang jene wertvolle Zeit vergeudet, in der den Seeleuten schließlich buchstäblich die Luft ausging.

Das Kursk-Desaster war für Russland – Putin war damals gerade Präsident – ein ähnlich katastrophales Ereignis wie zuvor der Reaktor-GAU in Tschernobyl: Eine ungute Mischung aus Inkompetenz und Sorge um den kommunistischen Ruf hatte damals, zu Sowjetzeiten, die Rettung verzögert, und auch im Fall der Kursk stand die Scham über den maroden Zustand der russischen Rettungsinfrastruktur zielgerichtetem Handeln im Weg – und Fake News: Ein US-Boot habe die Kursk gerammt, hieß es lange fälschlich.

Die Taktierei ist denn auch der spannendste Aspekt dieses Films, in dem der dänische Regisseur Thomas Vinterberg („Die Jagd“) das Desaster multiperspektivisch nachvollzieht: im U-Boot selbst, in dem sich Kapitän Averin (Matthias Schoe­naerts, „Der Geschmack von Rost und Liebe“) mit den anderen Matrosen (darunter August Diehl) gegen das Ersticken wehrt, und an Land, wo Averins Ehefrau Tanya (Léa Seydoux, „Blau ist eine warme Farbe“) und andere Angehörige tagelang desinformiert werden. Nebenher ringen Admiral Grudzinsky (Peter „Toni Erdmann“ Simonischek) und der britische Commodore Russell (Colin Firth) um Kooperation – sie werden aber von sinistren Apparatschiks (Max von Sydow!) aus genannten Gründen zurückgepfiffen.

Bewertung

Kursk: Prominent besetztes Drama mit viel Hin und Her. 

Bewertung: 3 von 5 Sternen.

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Im Direktvergleich mit Genre-Klassikern wie „Das Boot“ zieht „Kursk“ deutlich den Kürzeren. Die klaustrophobische Atmosphäre im U-Boot überträgt sich kaum, durch das ständige Hin und Her im Plot bremst sich der pan-europäisch besetzte Film (in kleineren Rollen sind auch Matthias Schweighöfer und Martin Brambach dabei) immer wieder selbst aus. Auch formal sticht wenig heraus. Am ehesten also gelingt Vinterberg hier ein Drama darüber, wie ideologische Verbohrtheiten vor allem eines verhindern: Lösungen.  

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