Filme der Woche
„Rebellinnen“: Vorarbeiter in Fisch-Dosen

Zu Beginn könnte man noch denken, dieser Film laufe entweder auf ein Sozialdrama nach Art der Gebrüder Dardenne hinaus oder auf eine Culture-Clash-Komödie im Fahrwasser der „Sch’tis“ - dann aber zwingt Regisseur Allan Mauduit seinem Film eine tonale Kehrtwende auf und inszeniert eine auf Schwarzhumor gebürstete Gangsterkomödie.

Donnerstag, 11.07.2019, 15:58 Uhr aktualisiert: 11.07.2019, 16:01 Uhr
Ran an den Fisch, sagen sich (v. l.) Marilyn (Audrey Lamy), Sandra (Cecile de France) und Nadine (Yolande Moreau).
Ran an den Fisch, sagen sich (v. l.) Marilyn (Audrey Lamy), Sandra (Cecile de France) und Nadine (Yolande Moreau). Foto: dpa

Die nicht mehr junge, aber nach wie vor attraktive Sandra ( Cécile de France , „Hereafter“) entkommt den prügelnden Armen ihres reichen Ehemanns, zieht von der Côte d’Azur wieder zurück zur Mutter in die abgehängte nordfranzösische Provinz und muss dort in einer Fischkonservenfabrik anheuern, wo sich die Schulkameradinnen von früher hämisch über den tiefen Fall der einstigen Schönheitskönigin mokieren.

Dann aber zwingt Regisseur Allan Mauduit seinem Film eine tonale Kehrtwende auf und inszeniert eine auf Schwarzhumor gebürstete Gangsterkomödie, die ähnlich epigonal dem Tarantino-Vorbild nacheifert, wie das zuletzt zahllose Krimiklamotten der Neunziger probierten. Man reibt sich also leicht verwundert die Augen, als eine versuchte Vergewaltigung Sandras durch ihren schmierigen Vorarbeiter in ein Szenario mit abgerissenen Geschlechtsteilen und unerwartetem Todesfall mündet.

Bewertung

Rebellinnen: Halb-schwarze Provinzklamotte, 2 von 5 Sternen.

...

Sandra und ihre Kolleginnen Nadine (Yolande Mo­reau, „Wenn die Flut kommt“) und Marilyn (Audrey Lamy) haben nun nicht nur genug damit zu tun, eine portionierte Leiche in Fischkonserven zu entsorgen, sie finden auch noch eine Tasche voller Drogengeld, weshalb bald korrupte Polizisten und belgische Kleinganoven hinter ihnen her sind.

Das überdrehte, teilweise hysterisch-alberne Geschehen wird auch dadurch nicht besser, dass Mauduit ihm einen dezent feministisch-kritischen Unterton verpasst hat: Warum die drei Zufallskriminellen „Rebellinnen“ sein sollen, bleibt bis zum Ende ungeklärt, und die Kritik an den sozialen Zuständen im Raum Pas-de-Calais fällt viel zu zaghaft aus. Die Klamotte gibt sich bemüht makaber, ist aber vor allem: harmlos.  

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