Fisherman’s Friends
Seebären mit Plattenvertrag

In Großbritannien waren sie die Sensation des Jahres 2010: die rüstigen Shanty-Sänger der Formation „Fisherman’s Friends“. Ein Musikmanager war damals per Zufall in dem Hafendorf Port Isaac an der Nordküste von Cornwall gelandet und hatte den Ü50- bis Ü70-Fischern und Seenotrettern einen Plattendeal mit dem Weltkonzern Universal vermittelt. Ihr Album landete in den britischen Top Ten und errang Gold-Status.

Donnerstag, 08.08.2019, 14:52 Uhr aktualisiert: 08.08.2019, 15:17 Uhr
In Cornwall wird offensichtlich nicht nur in Pilcher-Manier geliebt, sondern auch auf seemännisch-derbe Weise gesungen.
In Cornwall wird offensichtlich nicht nur in Pilcher-Manier geliebt, sondern auch auf seemännisch-derbe Weise gesungen. Foto: Splendid Films

Obwohl der Spaß bald wieder vorbei war und einer der Sänger bei einer Tournee auf tragische Weise ums Leben kam, ist der Erfolg des knarzigen Küsten-Chors seither als kuriose Anekdote fester Bestandteil der britischen Pop-Folklore.

Regisseur Chris Foggin versimpelt die Ereignisse nun zur Culture-Clash-Komödie gängiger Ausrichtung: Plattenmanager Danny (Daniel Mays) kommt im Zuge eines Junggesellenabschieds nach Cornwall, als er in den Genuss einer der typischen, ebenso inbrünstigen wie augenzwinkernden Darbietungen der Fisherman’s Friends wird. Als sein Boss ihn beauftragt, die wettergegerbten Seemannsliedersänger unter Vertrag zu nehmen, nimmt der Londoner Zyniker die Sache überraschend ernst. Als er mitkriegt, dass er nur veräppelt wurde, zieht er die Sache trotzdem durch – zumal er bei Sänger Jim ( James Purefoy , „Rome“) bereits im Wort steht und sich außerdem noch in dessen Tochter, die patente Pensionsbesitzerin Alwyn (Tuppence Middleton aus der BBC-Version von „Krieg und Frieden“) verliebt hat.

Tatsächlich geschieht in dieser freien Version der realen Geschehnisse nichts, was Zuschauer nicht schon weit im Voraus erahnen könnten. Der Gegensatz zwischen den ach-so-arroganten Großstädtern und den oh-so-bauernschlauen Landeiern könnte dabei kaum klischeehafter ausbuchstabiert werden, und die Widerstände, die Danny überwinden muss, um von den Einheimischen akzeptiert zu werden, stammen allesamt aus der Einsteigerfibel für possierliche Provinzschnurren.

Gewiss, die Bilder von der Küstenlandschaft sind ideale Schwelgvorlagen, und der entspannt-maritime Witz der singenden Seebären (die zugunsten des Romanzen-Plots alsbald aufs Nebengleis geschoben werden) sorgt für zielgruppenkompatible Wellness-Stimmung. Von britischen Genreklassikern wie „Brassed Off“ oder „Lang lebe Ned Devine“ ist das alles dennoch denkbar weit entfernt.  

Bewertung

Fisherman's Friends: Shanty-Komödie mit James Purefoy (112 Minuten).

Bewertung: 3 von 5 Sternen

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