Filme der Woche
„Synonymes“: Berlinale-Gewinner für Fortgeschrittene

Der Gewinner des Goldenen Bären der diesjährigen Berlinale ist keine leichte Kost – aber eine lohnende Herausforderung für alle, die im Kino ungewöhnliche Wege mitgehen wollen. „Synonymes“, inszeniert vom Israeli Nadav Lapid („Policeman“) und für vier Preise der israelischen Filmakademie nominiert, erzählt von einer radikalen Identitätsverpflanzung.

Donnerstag, 05.09.2019, 13:54 Uhr aktualisiert: 05.09.2019, 14:47 Uhr
Yoav (Tom Mercier) hat einen teuren Mantel bekommen.
Yoav (Tom Mercier) hat einen teuren Mantel bekommen. Foto: dpa

Ex-Soldat Yoav (starkes Leinwanddebüt: Tom Mercier ) ist mittellos in Paris gelandet und möchte unbedingt Franzose werden. Er hasst seine Heimat Israel, will kein Hebräisch mehr sprechen. Warum genau, wird nie gesagt.

So hastet er durch die Seine-Metropole und brabbelt Synonyme vor sich hin: Als Überaffirmation seiner ersehnten neuen Identität möchte er eloquenter Französisch sprechen als die Franzosen. Das steinreiche Pärchen Emile und Caroline nimmt ihn unter seine Fittiche, steckt ihn in einen teuren Mantel, benutzt ihn wie ein Spielzeug. Den als Schriftsteller erfolglosen Emile füttert er mit Geschichten aus der Armeezeit, Caroline heiratet er, um an eine Aufenthaltsgenehmigung zu kommen.

Das klingt zielgerichteter, als der Film ist. Lapid inszenierte eher eine freie Szenencollage, in der die Kamera den oft zu Boden gerichteten Blick Yoavs imitiert und fast überrascht aufblickt, wenn der Protagonist mal wieder in eine skurrile Situation gerät: Da will ein orthodoxer Jude in der U-Bahn Reisende zu antisemitischen Reaktionen zwingen, da gerät Yoav an einen durchgeknallten Pornoproduzenten, oder er singt im Unterricht lauter die Marseillaise als alle anderen.

Am Ende folgt für Yoav die Ernüchterung. Bis dahin darf man, staunend, irritiert, mitunter genervt und immer wieder begeistert einem Film folgen, der sich weder eindeutig klassifizieren noch klar bewerten lässt – was allerdings mehr ist als fast alles, was dieser Tage in den Kinos läuft. Sehenswert.

Bewertung

"Synonymes": Lohnenswertes Drama,  124 Minuten, 4 von 5 Sternen. 

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