„Mein Leben mit Amanda“
Verlustdrama

Eine gar nicht mal so kurze Zeit lang schaut man den Protagonisten beim Leben in Paris zu: relativ, wenn auch nicht ganz unbeschwert und immer fernab touristischer Pfade. Immer wieder wird auf dem Fahrrad durchs sommerliche 12. Arrondissement geradelt, Reuilly, das vom Kino noch nicht postkartentot gefilmt worden ist. 

Donnerstag, 12.09.2019, 14:02 Uhr aktualisiert: 12.09.2019, 14:48 Uhr
Sind spät dran: David (Vincent Lacoste) und die kleine Amanda (Isaure Multrier).
Sind spät dran: David (Vincent Lacoste) und die kleine Amanda (Isaure Multrier). Foto: MFA

David (Vincent Lacoste aus „Jungs bleiben Jungs“) arbeitet als Gärtner und nebenher für einen Vermieter von Ferienwohnungen, gerade hat er sich in Léna ( Stacy Martin , „Nymphomanic“) verliebt. Ein bisschen verantwortungslos ist er, aber nett. Seine Schwester Sandrine erzieht ihre Tochter Amanda (Isaure Multrier) allein, kommt nicht immer, aber doch meistens gut klar damit.

Dann lässt Regisseur Mikhael Hens eine Katastrophe in diesen nur scheinbar distanziert beobachteten Sommeralltag hineinbrechen: Bei einem Terroranschlag im Bois de Vincennes (der an die Pariser Anschläge von 2015 erinnert) kommt Sandrine ums Leben, Léna wird verletzt. David bleibt nur verschont, weil er zu spät dran war für das Picknick im Park. Hens inszeniert das aus seiner Perspektive: Als er eintrifft, ist das Schlimme bereits geschehen.

Der Alltag geht weiter

Weil der Alltag für die Überlebenden gnadenloserweise weitergeht, weitergehen muss, setzt Hens die Beobachtungen im geänderten emotionalen Aggregatzustand weiter. Wird David die Vormundschaft für Amanda übernehmen? Kann Léna nach der traumatischen Erfahrung weiter in Paris wohnen?

Der Regisseur, der mit „Dieses Sommergefühl“ schon einmal ums Trauerthema kreiste, inszeniert das ohne Effekte und Sentimentalismen; er bewegt und rührt, gerade weil er sich den Figuren nie aufdrängt. Lacoste und die kleine Multrier als zwangsweise zusammengeführtes Duo tragen den Rest des letztes Jahr in Venedig prämierten Films fast ganz allein. Und fahrradgefahren wird immer noch. Sehenswert.  

Bewertung

„Mein Leben mit Amanda“: Drama mit Vincent Lacoste, Isaure Multrier und Stacy Martin (107 Minuten)

Bewertung: 4 von 5 Sternen

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