„Midsommar“
Radikaler Beziehungs-Horrorfilm

Der US-Regisseur Ari Aster versöhnt den traditionell übel beleumundeten Horrorfilm derzeit mit dem Arthouse-Kino. „Hereditary“, sein gefeiertes Debüt, war mindestens ebenso sehr Psychostudie wie Geisterspuk – und einer der effektivsten Angstmacher des letzten Kinojahres.

Donnerstag, 26.09.2019, 15:54 Uhr aktualisiert: 26.09.2019, 16:22 Uhr
Amerikanerin Dani (Florence Pugh, M.) ist zu Gast im vermeintlichen Schweden-Idyll.
Amerikanerin Dani (Florence Pugh, M.) ist zu Gast im vermeintlichen Schweden-Idyll. Foto: Copyright Déjà Le Web, dpa

Vordergründig klingt der Plot des Nachfolgers „Midsommar“ nun aber eher nach Sekten-Horror à la „Wicker Man“: Vier US-Amerikaner reisen Ende Juni in ein abgelegenes Dorf im schwedischen Norrland, um dort den Sonnenwendfeierlichkeiten beizuwohnen. Dass sich die Rituale der stets weiß gewandeten Dörfler als besonders, nun ja, ungewöhnlich gestalten, wird ihnen erst allmählich bewusst. Am Ende: ein Inferno.

Seelische Selbstbefreiung

Auf den zweiten Blick ist dies aber ein ganz anderer Film. Aster nimmt sich zweieinhalb psychedelische, desorientierende Stunden Zeit, das Grauen unter nordischer Sonne zu entfalten, und während die Kamera über vermeintlich nebensächliche Details gleitet, wird klar, dass es hier eher um die metaphorische Darstellung einer seelischen Selbstbefreiung geht: Dani, Freundin des Studenten Christian und traumatisiert durch eine Tragödie, die gleich zu Beginn des Films den Ton setzt, kämpft sich radikal aus ihrer dysfunktionalen Beziehung heraus – und vielleicht auch aus den Zumutungen der Moderne. Die 23-jährige Britin Florence Pugh („Lady Macbeth“) erweist sich in dieser niederschmetternd intensiven Rolle erneut als eine der besten Darstellerinnen ihrer Generation.

Herausfordernd heftiges Ende

Das herausfordernd heftige Ende, bei dem man zur Musik des britischen Elek­tro-Experimentalisten The Haxan Cloak das Gefühl hat, gleichzeitig dem Finale von Wagners „Götterdämmerung“, einem Exorzismus und einem beglückenden Jubelfest zuzuschauen, entlässt mit einer Ambivalenz, die es auszuhalten gilt. „Midsommar“: ein Horrorfilm als extreme Beziehungsparabel. Sehenswert. 

Bewertung

4 von 5 Punkten. Läuft im Cineplex.

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