„Der Glanz der Unsichtbaren“: Stark
Mit Humor und Waschmaschinen

Aus Frankreich war man in den letzten Jahren an eine Flut gefälliger Wohlfühlfilme à la „Monsieur Claude und seine Töchter“ gewöhnt, die mit kleinen Spitzen gegen soziale und rassische Unterschiede ihre belanglosen Storys aufpäppelten. Eine rühmliche Ausnahme war Jérome Enricos „Paulette“, die Geschichte der zur Dealerin werdenden Oma (Bernadette Laffont), wo der Galgenhumor nie die gesellschaftlichen Misstöne der Realität unterschlug.

Donnerstag, 10.10.2019, 15:24 Uhr aktualisiert: 10.10.2019, 16:12 Uhr
Lauter starke Frauen: die Obdachlosen und ihre Sozialarbeiterinnen
Lauter starke Frauen: die Obdachlosen und ihre Sozialarbeiterinnen Foto: Piffel

Zur Oma gesellen sich in der Sozialkomödie „Der Glanz der Unsichtbaren“ gallische Obdachlose, genauer: obdachlose Frauen, deren Tageszentrum L’envol (der Abflug) vor dem Aus steht, weil die Stadtverwaltung es für nicht effektiv genug hält. Für eine neue Bleibe haben die Sozialarbeiterinnen eine Frist von drei Monaten. Als die Stadt ein Zeltlager neben dem Sportplatz räumt, wird L‘envol heimliches Zentrum der Unterprivilegierten.

Authentische Schauspieler

Das ist ein mutiges Plädoyer für die von echten Unbehausten gespielten und von der Gesellschaft ausgegliederten Obdachlosen und ein Tribut an die Sozialarbeiterinnen, die es mit der Würde des Menschen ernst meinen und für ihre Schützlinge kämpfen. Die nennen sich humorvoll Edith Piaf, Brigitte Macron, Salma Hayek und Lady Di, sind Frauen voller Widersprüche und dramatischer Lebenswege und: Sie wissen, wo die Dichtung an der Waschmaschine sitzt.

Die vier Sozialarbeiterinnen Manu, Audrey, Hélène und Angélique werden von den bei uns wenig bekanten Schauspielerinnen und Regisseurinnen Corinne Masiero, Audrey Lamy, Noémie Lvovsky und Déborah Lukumuena gespielt, die als Power-Quartett von Regisseur Louis-Jean Petit („Discount“) dirigiert werden, aber immer das Heft in der Hand haben. Gutes modernes Kino, das unter die Haut geht.

Ein vergleichbarer Film – soviel muss durchaus gesagt werden – wäre bei uns nicht möglich. Sehenswert. 

Die Filme der Woche (ab 10. Oktober)

1/6
  • Joker“: Abgründiges Schurken-Psychogramm mit brillantem Joaquin Phoenix.

    Bewertung: Vier von fünf Sterne. Hier  geht es zur Rezension. 

    Foto: Niko Tavernise/Warner Bros.
  • Starker Film mit Humor und Waschmaschinen: "Der Glanz der Unsichtbaren"

    Bewertung: Vier von fünf Sterne. Hier geht es zur Rezension.

    Foto: Piffel
  • "Dora und die goldene Stadt": Witziges und spannendes Abenteuer, das Elemente aus „Indiana Jones“ und den „Goonies“ mit reichlich Selbstironie mischt.

    Bewertung: Drei von fünf Sterne. Hier geht es zur Rezension. 

    Foto: Vince Valitutti/Paramount Players/dpa
  • Ein rührseliges Stück über die erste große Liebe: "Dem Horizont so nah

    Bewertung: Zwei von fünf Sterne. Hier geht es zur Rezension.  

    Foto: Bernd Spauke/Studiocanal GmbH/dpa
  • Irrungen und Wirrungen einer Geschwisterliebe: "Bruder Schwester Herz"

    Bewertung: Zwei von fünf Sterne. Hier geht es zur Rezension. 

    Foto: Kinostar Filmverleih GmbH /dpa
  • Horror mit Haifischen: "47 Meters Down..."

    Bewertung: Zwei von fünf Sterne. Hier geht es zur Rezension. 

    Foto: Concorde Filmverleih GmbH/dpa
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