Filme der Woche
Lara: Im falschen Leben

In seinem ersten Film seit „Oh Boy“ (2012) streift Regisseur Jan-Ole Gerster erneut durch Berlin. Diesmal in Farbe. Tom Schilling, der Antiheld von damals, ist wieder dabei, doch Protagonistin ist diesmal die pensionierte Verwaltungsbeamtin Lara.

Donnerstag, 07.11.2019, 15:48 Uhr aktualisiert: 07.11.2019, 16:06 Uhr
Lara (Corinna Harfouch) erwartet ein aufregendes Konzert ihres Sohnes.
Lara (Corinna Harfouch) erwartet ein aufregendes Konzert ihres Sohnes. Foto: Frederic Batier/StudioCanal/dpa

Und Corinna Harfouch bringt sich mit dieser Rolle für sämtliche verfügbaren Darstellerpreise in Stellung.

Wie in „Oh Boy“ umfasst die erzählte Zeit nur einen Tag: Morgens scheint sich Lara per Sprung aus dem Fenster das Leben nehmen zu wollen, abends steht ein wichtiges Konzert ihres Sohnes ( Schilling ) an, bei dem der Pianist auch als Komponist debütiert. Zwischendurch streunt Lara durch ein bürgerliches (West-)Berlin, das mit dem im Vorgängerfilm präsentierten Leer­stands-Slacker-Paradies nichts mehr zu tun hat.

Porträt einer Gescheiterten

Über eine Serie von Begegnungen Laras mit alten Kollegen und Verwandten, die alle keine Sympathien für sie hegen, entblättert sich das Porträt einer Gescheiterten: Lara hatte selbst Pianistin werden wollen, doch eine Äußerung ihres Musikprofessors warf sie aus der Kurve. Was folgte, war ein Ersatzleben, das sich nie richtig anfühlte. Ihren künstlerischen Ehrgeiz projizierte sie auf den Sohn; das Verhältnis blieb gestört.

Bewertung

Lara: Charakterstudie, die nachwirkt. Bewertung: Vier von fünf Sternen. 

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Der Plot allein tendiert, trotz präziser Schlaglichter auf die Kulturbourgeoisie, ins Groschenpsychologische. Die Harfouch aber macht den Film sehenswert: Die gnadenlose Kontrolliertheit, die Lara sich selbst und anderen abnötigt, ist schwer auszuhalten (und erinnert an Isabelle Huppert in „Die Klavierspielerin“), die darunterliegende Lebenstragödie vermittelt sie in subtilen Nuancen. Großes Schauspiel!

Gerster macht das Konzert übrigens nicht zum vielleicht naheliegenden Kuliminationspunkt der Erzählung. Stattdessen liefert er eine bittere, umso tragischere Pointe nach. Nein, ein Wohlfühlfilm ist „Lara“ nicht – aber eine Charakterstudie, die nachwirkt.

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