Kino-Kritik
Official Secrets: Aus dem Inneren des Apparats

Im neuen Film von „Tsotsi“-Regisseur Gavin Hood spielt Keira Knightley eine Spionin, die den Irak-Krieg verhindern will. Doch aus dem Whistleblower-Thriller wird bald ein etwas zu konventionelles Gerichtsdrama.

Donnerstag, 21.11.2019, 15:32 Uhr aktualisiert: 21.11.2019, 17:07 Uhr
Katharine Gun (Keira Knightley) arbeitet für den britischen Nachrichtendienst. Und stößt dort auf ein ominöses Memo, das ihr Sorgen macht..
Katharine Gun (Keira Knightley) arbeitet für den britischen Nachrichtendienst. Und stößt dort auf ein ominöses Memo, das ihr Sorgen macht.. Foto: dpa

Sie müssen loyal sein und folgen doch ihrem Gewissen, wenn der Apparat, für den sie arbeiten, Dreck am Stecken hat: Whistleblower, die inkriminierende Informationen an die Presse durchstecken, sind ideale Filmfiguren, hin- und hergerissen zwischen Pragmatismus und Moral, bereit, ihre Karriere und meist auch ihr sicheres Privatleben aufzugeben für die Entscheidung, illegale Machenschaften aufzudecken. Von den Mächtigen selbst werden sie dafür meistens als „kriminell“ diskreditiert.

Anders als in Oscar-gekrönten Reporterkrimis wie „Die Unbestechlichen“ oder „Spotlight“ steht in „Official Secrets“ nun nicht die aufdeckende Presse, sondern eine Whistleblowerin selbst im Zentrum: Katherine Gun arbeitete für den britischen Nachrichtendienst GCHQ, als sie im Jahr 2003 auf ein ominöses Memo stieß. Darin forderte der US-Geheimdienst NSA die Briten auf, die Botschafter jener Länder auszuspionieren, die sich im UN-Sicherheitsrat gegen die Resolution für einen Einmarsch in den Irak sperrten. Man hoffte so, Material zu finden, mit denen die Botschafter erpresst werden konnten.

Gun schickte das Memo an die Sonntagszeitung „Observer“ weiter. Als der „Skandal“ Wellen schlug, stellte sich Gun. Sie wurde angeklagt wegen Verstoßes gegen den „Official Secrets Act“.

Bewertung

Official Secrets: Erst Whistleblower-Thriller, dann etwas zu konventionelles Gerichtsdrama, Bewertung: Drei von fünf Sternen.

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Regisseur Gavin Hood („Tsotsi“) erzählt die Geschichte engagiert, aber konventionell: Die erste Hälfte hat Thrillerqualitäten, der Rest ist Gerichtsdrama und als solches fast etwas buchhalterisch.

Angenehmerweise verzichtet Hood auf Gerechtigkeitspathos und konzentriert sich lieber auf die Person Gun, die Keira Knightley („Imitation Game“) als Normalbürgerin spielt, die bloß versucht, das Richtige zu tun – in diesem Fall: einen Krieg zu verhindern.

Was ihr, wie wir heute wissen, nicht gelang. Auch gut sind Matt Smith („Doctor Who“) als Reporter und Ralph Fiennes als Guns Anwalt.

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