Auerhaus
Wohngemeinschaft auf dem Dorfe

Vier Freunde ziehen Anfang der Achtziger in ein leerstehendes haus – um einen von ihnen vom Selbstmord abzuhalten. In der recht werkgetreuen Verfilmung von Bov Bjergs Bestseller „Auerhaus” regiert trotzdem bald vor allem eines: die Melancholie.

Donnerstag, 05.12.2019, 11:20 Uhr aktualisiert: 05.12.2019, 14:59 Uhr
Frieder (Max von der Groeben, v. l.) gründet mit Vera (Luna Wedler), Cäcilia (Devrim Lingnau) und Höppner (Damian Hardung) eine WG.
Frieder (Max von der Groeben, v. l.) gründet mit Vera (Luna Wedler), Cäcilia (Devrim Lingnau) und Höppner (Damian Hardung) eine WG. Foto: Tom Trambow/Warner Bros/dpa

Seit den Neunzigerjahren ist Bov Bjerg eine feste Größe in der Literaturszene Berlins: Er gründete Lesebühnen, trat als Kabarettist in Erscheinung. Vor vier Jahren gelang ihm dann mit dem Roman „Auerhaus“, in den er eigene Erfahrungen aus seiner schwäbischen Jugend einfließen ließ, ein Riesenerfolg.  Neele Leana Vollmar , die mit Filmen wie „Maria, ihm schmeckt’s nicht“ und „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ als Spezialistin für Umsetzungen deutscher Bestseller ausgewiesen ist, hat das Buch nun verfilmt.

Im Film lässt sie genau jene abgründige Melancholie dominieren, die schon den Roman auszeichnete und über bloße Unterhaltungsliteratur hinauswachsen ließ. Dass sich Frieder, eine der kurz vor dem Abitur stehenden Hauptfiguren, am Ende das Leben nehmen wird, findet beispielsweise ganz zu Beginn schon Erwähnung, beiläufig zwar, aber die dunkle Wolke dieser Erwartung schwebt fortan über der Erzählung.

Eine richtige Geschichte gibt’s allerdings gar nicht, „Auerhaus“ ist eher ein Stimmungsfilm, angesiedelt im Jahr 1983, tief in der westdeutschen Provinz. Um Frieder nach einem ersten Suizidversuch von einem weiteren abzuhalten, ziehen sein Kumpel Höppner (Damian Hardung, „Club der roten Bänder“), dessen Freundin Vera (Luna Wedler) und die brave Cäcilia (Devrim Lingnau), allesamt gefrustet von der Enge ihres schwäbischen Heimatdorfes, ins leerstehende Haus von Frieders Onkel. Weil im Radio ständig „Our House“ von Madness läuft, bekommt die Unterkunft den entsprechenden Namen. Es ist die erste WG in dem Kaff – und wird entsprechend misstrauisch beäugt.

Wie die vier jungen Leute dort leben, bald mit weiteren Bewohnern zusammen, und erste Erfahrungen mit Liebe, Eifersucht und eben dem Tod machen, das erzählt Vollmar unaufgeregt und mit viel Gespür für Wehmut und Provinztristesse. So tief wie in Bjergs Roman lotet sie zwar nicht, dafür kann sich der starke Max von der Groeben als mal euphorisierter, mal seelisch abstürzender Frieder beachtlich weit von seinem Trottel-Image aus „Fack ju Göhte“ lösen.

Bewertung

Auerhaus: Bov Bjergs Erfolgsroman als nostalgisches Provinzdrama (104 Minuten).

Bewertung: 3 von 5 Sternen

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