„Little Joe“
Nur die Blume ist Zeuge

Wissenschaftlerin Alice hat eine purpurrote Blume namens „Little Joe“ erschaffen, die angeblich Menschen durch ihren Duft glücklich macht. Heimlich nimmt sie eine für ihren Sohn mit nach Hause. Doch wieso verändert er sich so plötzlich?

Freitag, 10.01.2020, 10:00 Uhr aktualisiert: 10.01.2020, 14:14 Uhr
Neulich bei der Genforschung: Wissenschaftlerin Alice (Emily Beecham) pflegt ihre
Neulich bei der Genforschung: Wissenschaftlerin Alice (Emily Beecham) pflegt ihre Foto: epd

Die Wiener Regisseurin und Drehbuchautorin Jessica Hausner , 47, ist seit ihrem grandiosen Debüt „Lovely Rita“ (2000), wo sie eine minderjährige Ausreißerin mit der Kamera verfolgt, mit subtilen, stilisierten, surrealen und schwarzhumorigen Arbeiten bekannt geworden. Ihr dunkles „Hotel“ (2004) ist eine lakonische Version von „Shining“, in „Lourdes“ (2009) beobachtet sie mit distanzierter Ironie die Vorgänge um den Wallfahrtsort, und in ihrem bisherigen Hauptwerk „Amour Fou“ (2014) folgt sie geradezu nonchalant den letzten Tagen von Heinrich von Kleist bis zu dessen Selbstmord mit Freundin am Wannsee.

Experiment mit purpurroter Blume

Im Kern aller Filme von Hausner steht die Frage nach dem Sinn der eigenen Existenz, nach dem Unwohlsein angesichts metaphysischer Fragen und seelischer Zustände. Zum Beispiel Glück. In Hausners neuem Film „Little Joe – Glück ist ein Geschäft“ experimentiert die allein erziehende Mutter und Botanikerin Alice (Emily Beecham, Beste Hauptdarstellerin in Cannes 2019) mit einer purpurroten Blume, deren Duft glücklich macht – aber nur bei entsprechender Raumtemperatur und mit der Zuneigung eines „grünen Fingers“.

Nur die Blume ist Zeuge, als Alice ihren Liebling mit nach Hause nimmt und ihr 13-jähriger Sohn Joe (Kit Connor) die Blume „Little Joe“ nennt. Das Aroma der Pollen verändert Joe, er wird zugänglich, vielleicht glücklich. Bei Wissenschaftlerin Alice nährt sich der Verdacht, dass das Pflänzlein nicht so wunderbar und harmlos ist, wie es scheint. Eine Kollegin (Kerry Fox) versucht, Alice von Risiken und Nebenwirkungen ihrer Genforschung zu überzeugen.

Sehenswerter Film

Hausner hat das dialogarm in pastellfarbenen Bildern von fast klinischer Reinheit aufgenommen, die das knallige Rot der Blumen und von Alices Kurzhaarschopf umso deutlicher betonen. Dazu fährt die Kamera wie stets bei Hausner in exakt choreographierten Fahrten parallel oder diagonal mit den Personen, deren Geheimnis nie gelüftet wird und dem Unheimlichen und Fremden in uns nachspürt. Wenn das nicht subtile Science Fiction ist. Sehenswert.

Bewertung: 4 von 5 Sternen

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