„Intrige – J’accuse“
Hochverrat und Handschriften

Ein Whistleblower zu Beginn des 20. Jahrhunderts entlarvte die antisemitischen Umtriebe der „Affäre Dreyfus“. Aus diesem berühmten Stoff hat der polnische Regisseur Roman Polanski sein neues Meisterwerk mit dem deutschen Titel „Intrige“ geschaffen.

Donnerstag, 06.02.2020, 14:52 Uhr aktualisiert: 06.02.2020, 19:56 Uhr
Georges-Marie Picquart (Jean Dujardin) ist als Aufklärer der Affäre ein früher Whistleblower.
Georges-Marie Picquart (Jean Dujardin) ist als Aufklärer der Affäre ein früher Whistleblower. Foto: Weltkino

Spannender als Roman Polanskis historischer Politthriller „Intrige“ können Filme kaum sein. Polanski und Autor Robert Harris greifen die Affäre Dreyfus auf, die das Frankreich der Belle Epoque erschütterte und als Justizskandal in Verbindung mit Themen wie Machtmissbrauch, Korruption, Medienöffentlichkeit, Fremdenfeindlichkeit und Sündenbockterror höchst aktuell ist.

Hauptmann Alfred Dreyfus (Louis Garrel) wird 1898 wegen angeblichen Hochverrats von Staatsgeheimnissen verurteilt, degradiert und auf die Teufelsinsel deportiert. Der Mann ist unschuldig, die Beweise sind gefälscht, aber Dreyfus ist Jude, und damit steht seine Schuld für Generalstab und Kriegsgericht fest. Die Geschichte wird in erzählerischer Ironie aus der Perspektive von Georges-Marie Picquart (Jean Dujardin) vermittelt, Dreyfus’ Ausbilder an der Militärakademie, der Juden eigentlich nicht mag.

Über Antisemitismus, Angriffe auf Medien und blinden Gehorsam

Als Leiter der Statistischen Abteilung des Geheimdienstes entdeckt Picquart Dreyfus’ Unschuld anhand gefälschter Handschriften, wird an der Aufklärung gehindert, wendet sich Jahre später an die Presse. So entsteht ein kluger Diskurs über Komplotte, Fälschungen, Angriff auf Medien und Verletzung der persönlichen Integrität. Schriftsteller Emile Zola veröffentlicht in der Zeitung „L’Aurore“ den offenen Brief „J’accuse“ (Ich klage an; Originaltitel des Films), die Zeitung brennt auf Scheiterhaufen, jüdische Geschäfte werden demoliert.

Polanski zeigt den Geheimdienst zwischen Überwachung und blindem Gehorsam und Picquart, dem es darum geht, dass Lügen nie Wahrheit sind. Jean Dujardin spielt den frühen Whistleblower in einer sensationellen Darstellung als Mensch, dem bei der Entdeckung der Wahrheiten der Schrecken im Gesicht steht.

Kameramann Pawel Edelman nutzt historisierende Brauntöne und schwelgt in Bildern der Belle Epoque zwischen Kokotten und Kasernen. Alexandre Desplats beunruhigender Soundtrack liefert den flirrenden Hintergrund zu Polanskis virtuoser Inszenierung dieses nach „Chinatown“, „Der Pianist“ und „Der Ghostwriter“ neuen makellosen Meisterwerks des großen polnischen Regisseurs.

Bewertung

„Intrige - J´accuse”: Politthriller von Roman Polanski mit Louis Garrel und Jean Dujardin (132 Minuten)

Bewertung: 5 von 5 Sternen

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