„Narziss und Goldmund“
Hermann Hesses Erzählung als ausstattungsverliebtes Historienkino

Hesses Erzählung vom frommen Narziss und dem ungestümen Goldmund kennen viele aus der Schule. Jetzt gibt’s die Verfilmung mit viel Pathos, Abenteuerkitsch – und nackten Tatsachen.

Donnerstag, 12.03.2020, 12:06 Uhr aktualisiert: 12.03.2020, 17:19 Uhr
Narziss (Sabin Tambrea, r.) trifft seinen Jugendfreund Goldmund (Jannis Niewöhner) wieder.
Narziss (Sabin Tambrea, r.) trifft seinen Jugendfreund Goldmund (Jannis Niewöhner) wieder. Foto: -/Sony Pictures /dpa

Hermann Hesse war kein Freund von Literaturverfilmungen – vor allem seine eigenen Texte hielt er für unverfilmbar. Und tatsächlich ist außer der tollen „Siddhartha“-Umsetzung von 1972 kein einziger Hesse-Film von Format entstanden. Zu groß war wohl die Ehrfurcht vor der innerlichkeitsbebenden, dem Spiritualitätskitsch nicht abgeneigten Prosa des „Steppenwolf“-Autors.

Nun hat sich Stefan Ruzowitzky („Die Fälscher“) an Hesses 300-seitige Erzählung „Narziss und Goldmund“ gewagt. Das dramaturgische Problem der im Mittelalter angesiedelten Geschichte über zwei einander innig zugetane Freunde, die sich als Kinder im Kloster kennenlernen: Narziss kommt nur am Anfang und Ende vor, dazwischen verfolgt der Text länglich die sinnliche Selbstfindung Goldmunds.

Ruzowitzky löst das, indem er die Rückkehr des erwachsenen Goldmund an den Anfang setzt und dann wechselweise zurückblendet. So laufen die Geschichten des frommen Narziss (Sabin Tambrea, „Ludwig II“), der sein Leben Gott weiht und in der klerikalen Hierarchie aufsteigt, und die des sinnenfrohen Goldmund ( Jannis Niewöhner , „Jugend ohne Gott“), der das Kloster bald verlässt, parallel nebeneinander her.

Wie sieht das aus? Nun, wie so etwas in deutschen Prestige-Produktionen meistens aussieht: frisch aus dem Fundus gezogene und mit Liebe eingestäubte Kostüme, fesche Tonsuren, eine designerschmutzige Ausstattung à la „Das Parfüm“, dazu Softsex nach Vorbild der „Wanderhure“. Niewöhner verbringt weite Teile des Films, in dem sich ihm die Damen Emilia Schüle, Roxane Duran und Henriette Confurius (um nur einige zu nennen) an den Hals werfen, nackt; es wird dekorativ gefoltert und selbstgegeißelt. An den homoerotischen Subtext der Vorlage traut sich der Film trotzdem fast nicht heran.

Bewertung

„Narziss und Goldmund“: Drama mit Sabin Tambrea, Jannis Niewöhner und Emilia Schüle (119 Minuten)

Bewertung: 3 von 5 Sternen

...

Drumherum tauchen allerlei prominente Darsteller auf: Uwe Ochsenknecht etwa grimmbartelt als Bildhauer Niklaus, bei dem Goldmund eine Ausbildung macht, durch die Szenen, im Kloster sorgen „4 Blocks“-Gangster Kida Khodr Ramadan und der ewige Keifmeister André Hennicke für durchaus unfreiwillige Komik. Von Hesses feierlicher Gegenüberstellung eines aktiven und eines kontemplativen Lebens bleibt so natürlich wenig übrig – außer vielleicht der penetrante Mutterkitsch. Als Abenteuerschmonzette betrachtet ist das Ergebnis immerhin nicht langweilig.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7323795?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F197%2F201%2F1819671%2F
Nachrichten-Ticker