The Outpost – Überleben ist alles
Himmelfahrt am Hindukusch

In der Schlacht um Kamdesh war ein US-Vorposten in Afghanistan 2009 einer Übermacht an Taliban ausgeliefert. Der Kriegsfilm zeichnet den Kampf nach – erfreulicherweise ohne gängiges Patriotenpathos.

Donnerstag, 17.09.2020, 17:00 Uhr
Captain Benjamin D. Keating (Orlando Bloom) verhandelt mit Hilfe des Übersetzers Mohammed (Sharif Dorani).
Captain Benjamin D. Keating (Orlando Bloom) verhandelt mit Hilfe des Übersetzers Mohammed (Sharif Dorani). Foto: Telepool/dpa

Schon der erste Blick auf diesen entlegenen Außenposten der US-Streitkräfte verheißt nichts Gutes: In einem engen Tal errichtet, scheint er übelmeinenden Gegnern auf den umliegenden Bergen geradezu ausgeliefert. 2009, kurz vor dem geplanten Abzug, wurde der militärische Vorposten am Hindukusch von mehreren Hundert Taliban angegriffen: In der „Schlacht um Kamdesh“, einer der blutigsten im Krieg in Afghanistan, standen gut 50 US-Soldaten dieser Überzahl an „Gotteskriegern“ entgegen.

Regieroutinier Rod Lurie („Rufmord“) zeichnet die Schlacht detailliert nach. Die Handkamera hastet wackelnd durchs attackierte Camp, links explodiert etwas, rechts schlagen Kugeln ein, immer wieder Schreie: Lurie versucht gar nicht erst, auf filmischem Wege Ordnung ins Chaos zu bringen. Diese Art der Schlachteninszenierung durch visuelle und akustische Desorientierung ist nicht neu und seit Spielbergs „Soldat James Ryan“ etabliert. Indes, sie funktioniert und macht die zweite Hälfte von „The Outpost“ zur erschütternden Chronik eines erbitterten Verteidigungskampfes.

Zuvor wirft Lurie, auf Basis einer Buchvorlage des CNN-Reporters Jake Tapper, Schlaglichter aufs Leben an diesem unwirtlichen Ort im Grenzgebiet zu Pakistan. Captain Keating („Herr der Ringe“-Star Orlando Bloom) begrüßt Neuankömmlinge, darunter den standhaften Staff Sergeant Romesha (Scott Eastwood aus „Pacific Rim 2“) und den jungen Carter (Caleb Landry Jones). Ein Gefühl ständiger Bedrohung liegt in der Luft, auch wenn zwischendurch derbe herumgekumpelt wird. Die Ängste der Soldaten, ihre Zweifel an den Vorgaben der von Präsident Bush lancierten „Operation Enduring Freedom“ klingen allerdings ebenso durch.

Man mag beklagen, dass Lurie auf einen zentralen Protagonisten verzichtet, doch genau dieses Auf-Abstand-Gehen, diese Draufschau auf ein größeres Soldatenensemble verhindert den pathetischen Überschwang, der Kriegsfilme sonst so oft zu einer zweifelhaften Sache macht. Anders als jüngste Genrevertreter wie „13 Hours“ (spielt in Libyen) oder „Operation: 12 Strong“ (auch in Afghanistan) dokumentiert der Film zwar die Heldentat, er stilisiert sie aber nicht zur pa­triotischen Jubelfeier. Sehenswert.

Bewertung

The Outpost - Überleben ist alles: Packendes Kriegsdrama mit wenig Heldenpathos, 124 Minuten.

Unsere Bewertung: 4 von 5 Sterne

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