„Vergiftete Wahrheit“: Fesselndes Justizdrama über einen Umweltskandal
Säure im Grundwasser

Teflon ist praktisch - für Bratpfannen. Doch das bei der Produktion benötigte PFOA ist giftig – und hat in West Virginia eine ganze Kleinstadt verseucht. Dieser ebenso akribische wie packende Anwaltskrimi zeichnet den Skandal nach.

Donnerstag, 08.10.2020, 12:10 Uhr aktualisiert: 08.10.2020, 13:03 Uhr
Anwalt Robert Bilott (Mark Ruffalo)
Anwalt Robert Bilott (Mark Ruffalo) Foto: Participant & Killer Films

Fast zwei Jahrzehnte lang kämpfte sich Wirtschaftsanwalt Robert Bilott aus Cincinnati durch die Instanzen, er konterte die Abwehrgefechte des Chemiekonzerns DuPont , ramponierte seine Gesundheit und ruinierte fast sein Leben – doch am Ende hatte er es geschafft: DuPont zahlte 671 Millionen Dollar Schadenersatz an die Bewohner von Parkersburg in West Virginia. Ins Grundwasser des Städtchens hatte der Konzern jede Menge Perfluoroctansäure sickern lassen: Dass es sich bei „PFOA“ um eine krebserregende und auch sonst hochgradig gesundheitsschädliche Substanz handelte, hatte der Konzern gewusst, aber verschwiegen. Menschen wurden krank, Tiere verendeten.

Über den Skandal und Bilotts langen Kampf um Sammelklagen und wissenschaftliche Studien, der dem ebenso detektivischen wie beharrlichen Juristen auch den „Alternativen Nobelpreis“ einbrachte, erschien 2016 ein Artikel im Magazin der New York Times, der dem Film als Grundlage diente. Regisseur Todd Haynes, der sonst für Melodramen wie „Carol“ bekannt ist und zu Extravaganzen neigt, inszeniert erstaunlich zurückgenommen und sachlich. „Dark Waters“, so der deutlich weniger schiefe Originaltitel, geht zwar als Justizthriller durch (mit wenigen Gerichtsszenen), entwickelt sich aber vor allem als Umweltdrama.

In dessen Zentrum steht Mark Ruffalo (Marvels „Hulk“) als Unternehmensanwalt Bilott, der durch einen Farmer, der schon 190 Rinder verlor, auf das Thema aufmerksam gemacht wird und alsbald zum Umweltjuristen umsattelt. Das Vergehen der Dekaden wird an Ruffalos ergrauendem Haar und zunehmend erschöpfterem Auftreten kenntlich – und an den wechselnden Kommunikationstechnologien. Der dreifach oscarnominierte Schauspieler („Spotlight“) trägt den Film souverän alleine über die gut zwei Stunden Länge voller Winkelzüge, Rückschläge und Durchbrüche.

Anne Hathaway („Les Misérables“) als seine Frau und der immer gerngesehene Tim Robbins („Mystic River“) als sein Chef assistieren Ruffalo dabei verlässlich gut, ohne allzu viel zu tun zu haben. Doch gerade durch die nüchterne Abfolge des Ungeheuerlichen, durchs unaufgeregte Protokoll der Geschehnisse packt dieser Film: Haynes gelang ein Themenkrimi der besten Sorte. Sehenswert.

Bewertung

Bewertung: Packender Anwaltskrimi, 4 von 5 Sternen

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