„Eine Frau mit berauschenden Talenten“: Die Huppert als Drogenkönigin
Mit einem Riesenhaufen Hasch im Keller

Sie arbeitet bei der Polizei – und führt ein Doppelleben als arabische Haschisch-Queen: Isabelle Huppert spielt sie und ist das Aushängeschild dieser harmlos-schnurrigen Drogenklamotte.

Donnerstag, 08.10.2020, 12:12 Uhr aktualisiert: 08.10.2020, 13:11 Uhr
Patience Portefeux (Isabelle Huppert) macht auf Drogenkönigin.
Patience Portefeux (Isabelle Huppert) macht auf Drogenkönigin. Foto: Lydie Nesvadba

Wer bei Isabelle Huppert vor allem an ihre eisigen Rollen denkt, an ihre „Klavierspielerin“ etwa oder an ihren oscarnominierten Auftritt als zurückschlagendes Vergewaltigungsopfer in „Elle“, der übersieht womöglich, dass die französische Schauspielerin auch komisch kann. Wer sie einmal, gouvernantenhaft hornbebrillt, in François Ozons Krimi-Musical „8 Frauen“ gesehen hat, weiß das längst.

Verkleidungsfreudig zeigt sich die Huppert nun auch in „Eine Frau mit berauschenden Talenten“ – tatsächlich scheint der ganze Film um sie herumgestrickt worden zu sein. Sie spielt die Polizeidolmetscherin Patience Portefeux , die mal Arabisch studiert hat und jetzt in Verhören oder bei Überwachungen die Aussagen der meist maghrebinischen Verdächtigen übersetzt.

Als sie mitkriegt, dass der Sohn von Kadidja (Farida Ouchani), der liebevollen Pflegerin ihrer an Alzheimer erkrankten Mutter, ins Visier der Polizei geraten ist, greift sie warnend ein – und leitet den Riesenhaufen Cannabis, den der Sohn transportierte, kurzerhand in eigenen Besitz um. Es dauert nicht lange, ehe die ewig klamme Patience auf die Idee kommt, den Stoff selbst zu verticken: Mit Hidschab, geschwärzten Augenbrauen und dicker Sonnenbrille wird sie zur „Alten“ („La Daronne“ lautet der Originaltitel) – einer mysteriösen Drogenkönigin auf „Breaking Bad“-Spuren.

Regisseur Jean-Paul Salomé macht keinen Sozialkrimi aus dem Stoff, sondern eine Schmunzelschnurre der besonders harmlosen Art. Unbekümmert werden vom Dealer bis zur Nachbarin alle Figuren mit Migrationshintergrund als kriminell gezeichnet, Patiences Boss und Liebhaber Philippe (Hippolyte Girardot, „Dolmen“) ist dagegen ein Netter. Drogenpolitische Fragen werden keine gestellt, alles kreist einzig um den Gag, die zur Drehzeit 66-jährige Huppert als unwahrscheinliche Gangsterbraut in eine Welt tumber Ganoven hineinzustellen. Das ist anfänglich tatsächlich witzig, dreht dann aber auch ziemlich bald leer.

Bewertung

Bewertung: Harmlose Schmunzelschnurre, 3 von 5 Sternen

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