„Moxie”: Mittelaufregender Punk-Aufstand
Pamphlete auf der Schultoilette

An der Highschool wird gegrabscht, belästigt und diskriminiert – ehe eine Schülerin die Punk-Vergangenheit ihrer Mutter entdeckt und Widerstand organisiert. Leider kommt Regisseurin Amy Poehler da nicht ganz so energetisch hinterher.

Donnerstag, 18.03.2021, 12:59 Uhr
Claudia (Lauren Tsai, l.) ist die beste Freundin von Vivian (Hadley Robinson).
Claudia (Lauren Tsai, l.) ist die beste Freundin von Vivian (Hadley Robinson). Foto: Colleen Hayes/NETFLIX © 2020

Amy Poehler ist eine der beliebtesten US-Komikerinnen, sieben Jahre lang war sie im Ensemble der legendären Sketch-Show „Saturday Night Live“, danach spielte sie die Hauptrolle in „Parks & Recreation“, der besten Sitcom der letzten 15 Jahre, und auch als Moderatorin der Golden-Globes-Verleihung begeisterte sie schon mehrfach. Als Regisseurin dagegen lässt es sich für sie nicht ganz so erfolgreich an.

„Moxie“, ihre zweite Arbeit für Netflix , erzählt von einer zunächst unscheinbaren Schülerin, die in einem Akt der Rebellion zu sich selbst findet. Vivian (Hadley Robinson, „Utopia“) scheint sich zunächst brav mit den alltagsrassistischen und gewohnheitssexistischen Zuständen an ihrer Highschool abzufinden, ehe zwei Ereignisse ihre Sichtweise ändern: erstens die Ankunft einer neuen, schwarzen und selbstbewussten Mitschülerin (Alycia Pascual-Peña), zweitens Vivians Entdeckung, dass ihre Mutter (gespielt von Regisseurin Poehler höchstselbst) in den frühen Neunzigern mal eine heftige Punk-Phase durchgemacht hat.

Der Sound der damals stilbildenden „Rrriot-Girl“-Band Bikini Kill dröhnt denn auch aus den Boxen, wenn Vivian nun selbst rebelliert und mittels eines auf dem Mädchenklo ausgelegten, selbstproduziert Magazins zum Widerstand gegen die Verhältnisse aufruft, gegen übergriffige Mitschüler (Arnold Schwarzeneggers Sohn Patrick spielt den schlimmsten von ihnen), die gezielt wegsehende Rektorin und eine Kultur, in der belästigten Frauen immer noch entgegengehalten wird, sie sollten sich halt weniger aufreizend kleiden.

Leider wird der Aufstand der Oberschülerinnen nicht halb so revolutionär in Szene gesetzt. Poehlers Regie folgt den Konventionen des Highschool-Films und schlittert im letzten Drittel in eine enttäuschend glattgebügelte Versöhnlichkeit ab, die reale Diskriminierungszusammenhänge in einer wohlfeilen Märchenmoral auflöst.

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