„The Kid – Pfad der Gesetzlosen“: Mauer Western um den Outlaw
Immer auf der Flucht

Die berühmte Jagd von Sheriff Pat Garrett auf Outlaw Billy the Kid bietet unterhaltsame Kinokost, ist aber kein Western-Meilenstein geworden.

Donnerstag, 25.03.2021, 14:48 Uhr
Pat Garrett (Ethan Hawke, r.) hat Billy the Kid (Dane DeHaan) am Schlafittchen.
Pat Garrett (Ethan Hawke, r.) hat Billy the Kid (Dane DeHaan) am Schlafittchen. Foto: Lionsgate Films

Den authentischen Western-Outlaws Billy the Kid und Pat Garrett , der später die Seiten wechselte und als Sheriff den ehemaligen Kumpel verfolgte, ist in Sam Peckinpahs „Pat Garrett jagt Billy the Kid“ (1973) ein bis heute unerreichtes Meisterwerk gewidmet. Dank des grandiosen Paares Kris Kristofferson und James Coburn, der Musik von Bob Dylan („Knockin’ on Heaven’s Door“), der innovativen Montage und Peckinpahs so rauer wie melancholischer Inszenierung um den Verlust von Freiheit ist der Western ein Meilenstein der Filmgeschichte geworden – und geblieben.

Regisseur Vincent D’Ono-frio und Autor Andrew Lanham versuchen in „The Kid – Pfad der Gesetzlosen“ einen Ansatz, der auf unreflektiertes Idolisieren von Negativhelden zielt, und erzählen die Geschichte aus der Sicht des (fiktiven) 14-jährigen Rio (Jake Schur), der den prügelnden Vater erschießt und vom rachsüchtigen Onkel (Chris Pratt) verfolgt wird. Auf der Flucht trifft er auf Billy (Dane DeHaan) in dem Moment, als der einen Sheriff tötet.

Das ist nur eine der vielen Szenen, in denen Peckinpahs Western bis in einzelne Einstellungen hinein kopiert wird.

Rio idolisiert den mordenden Outlaw und folgt ihm blindlings in die Fehde mit Garrett (Ethan Hawke). Die unglückliche Fixierung auf Rio und Billy fordert ihren dramaturgischen Preis. Man erfährt kaum etwas von den Hintergründen der Fehde, auch der historische Kern der Weidekriege wird ausgeblendet. Die Schnellfeuer-Montage sorgt überdies dafür, dass keine der Personen Tiefe gewinnt.

DeHaan und Hawke sind den Originalen optisch ähnlich, aber dabei bleibt es. Beide bringen keine neue Nuance ins Spiel. Billy ist unter anderem von Paul Newman als Neurotiker, von Michael J. Pollard als Straßenratte und von Emilio Estevez als Outlaw mit krankem Humor gedeutet worden. Die Krone gehört nach wie vor Kris Kristofferson und James Coburn („Billy, they don’t like you to be so free“).

 

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7885721?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F197%2F201%2F1819671%2F
Nachrichten-Ticker