„Capone“: Tom-Hardy-Show als alter Gangster
Der Wahn im Mafioso

Tom Hardy liefert als gealterter Mafiaboss Al Capone eine darstellerische Glanzleistung , die durch Wiederholungen um Wirkung gebracht wird.

Donnerstag, 25.03.2021, 14:48 Uhr
Al Capone (Tom Hardy) raucht mal wieder eine seiner Zigarren.
Al Capone (Tom Hardy) raucht mal wieder eine seiner Zigarren. Foto: Leonine

Wer die Geschichte von Aufstieg und Fall des berühmtesten Mafioso aller Zeiten erwartet, sei gewarnt. „ Capone “ ist eine von Tom Hardy in der Titelrolle lebende experimentelle Versuchsanordnung über Al Capone (1899 – 1947) am Ende seines Lebens. Da residiert der 47-Jährige nach elf Jahren Knast (wegen Steuerhinterziehung) auf seiner Altersresidenz in Palm Island in Florida, raucht seine ikonische Zigarre, kaut auf Möhren, die ihm der Arzt verordnet hat, und wird langsam gaga – sprich: altersdement.

Während FBI-Agenten jeden Schritt Capones beobachten, geht er Erinnerungen nach. Da spiegelt sich im Gesicht der Wahn des Mannes, der ein Gangsterimperium beherrschte, Blutbäder organisierte und als charismatischer Mobster die Presse manipulierte. Jetzt ist er an Syphilis erkrankt, hat eine Haut wie ein Chamäleon und muss als inkontinenter Zombie Windeln tragen.

Das ist eine Rolle wie geschaffen für Tom Hardy („Dunkirk“, „Mad Max: Fury Road“), der im Bademantel mit der Maschinenpistole wild um sich schießt, als müsse er das Massaker am Valentinstag nachspielen. Die Szenen imaginierten Wahnsinns hat Regisseur Josh Trank als unappetitliche Bluträusche und Orgien inszeniert, die letztlich stören und nicht verstören. Da findet Hardys Method Acting seine Grenzen. Oft überschreiten er und der Film die Grenze zur Groteske und tragen nur wenig zur Demontage des Mobsters bei, ermüden in der endlosen Wiederholung.

Andere Darsteller von „Scarface – Shame of a Nation“ (die erste freie Verfilmung von Howard Hawks 1932) hatten eine bessere Hand, so Jason Robards als abgründiger Erfolgsmensch in „Chicago-Massaker“ (1967), Ben Gazzara als süffisanter Aufsteiger in „Capone“ (1975), Robert De Niro als tückischer Gewaltmensch in „The Untouchables“ (1987; da wird Al von Kevin Costner und Sean Connery gejagt). Und für den Rezensenten immer noch am besten ist Rod Steiger als pathologischer Krimineller in „Al Capone“ (1959). Da wird nämlich deutlich, dass Al Capone Parasit der Gesellschaft und des Gangstertums war.

 

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7885731?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F197%2F201%2F1819671%2F
Nachrichten-Ticker