Film
Kulinarische Romanze «Lunchbox» auf DVD

Berlin (dpa) - Die Männer mit den merkwürdigen Henkelmännern sind aus dem Stadtbild der indischen Metropole Mumbai nicht wegzudenken: Die sogenannten Dabbawallas betreiben einen Lieferservice für Lunchpakete, die Frauen ihren berufstätigen Männern am Vormittag schicken

Dienstag, 27.05.2014, 13:05 Uhr

Viele der etwa 5000 Dabbawallas sind Analphabeten, dennochist ihre Fehlerquote bei der Zustellung der Mittagessen inmitten desVerkehrschaos der Großstadt verschwindend gering.

Für den jungen indischen Regisseur Ritesh Batra , der in Mumbaigeboren und aufgewachsen ist, bildeten die flinken Essenskuriere denAufhänger für seinen ersten abendfüllenden Spielfilm. In « Lunchbox »erzählt er detailverliebt, humorvoll und einfühlsam dieLiebesgeschichte zwischen einer einsamen Hausfrau und einemVersicherungsangestellten, der kurz vor seiner Pensionierung steht. Der Film liegt jetzt auch als DVD und Blu-ray vor. Als Bonus gibt es ein Interview mir Regisseurin Ritesh Batra.

Jeden Morgen kocht Ila (Nimrat Kaur) für ihren Mann ein köstlichesMittagessen, aber die Leckereien landen beim falschen Adressaten, demstillen Büroarbeiter und Witwer Saajan ( Irrfan Khan , «SlumdogMillionär»). Als Ila ihren Irrtum bemerkt, steckt sie Saajan kleineBriefchen in die Lunchbox, die der scheue Mann prompt beantwortet. Solernen sich die beiden kennen, obwohl sie sich nie gesehen haben. AlsIla feststellt, dass ihr Mann sie betrügt, will sie sich mit ihremkulinarischen Brieffreund treffen. Aber der zögert vielleicht einenMoment zu lange. Oder geht Liebe doch durch den Magen?

Im Zeitalter von E-Mails und allgegenwärtiger Smartphoneserscheint der Briefwechsel der beiden hoffnungslos altmodisch, abergenau dies macht den Reiz von Batras Film aus. Seine Protagonistenscheinen aus der Zeit gefallen zu sein, unverbesserliche Nostalgiker,die den Traum von der großen Liebe noch nicht aufgegeben haben. Ineiner Szene mietet sich Saajan eine Rikscha und sucht die Häuserseiner Kindheit, abends steht er lange rauchend auf seiner Veranda.Die emsige Köchin Ila, deren Eheglück zerbrochen ist, steht am Herdund bespricht ihre Rezepte laut mit der «Auntie», die der Zuschauernie zu Gesicht bekommt.

Es sind die vielen kleinen Alltagsszenen, die den Reiz dieserindisch-französisch-deutschen Koproduktion ausmachen: Die qualvolleEnge in den Pendlerzügen, die spielenden Kinder auf der Straße vordem Haus von Saajan, oder seine freudige Erwartung, wenn er dieLunchbox öffnet und die Düfte ihm in die Nase steigen. Wer solcheGerichte kocht, muss einfach ein Engel sein.

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