Film
Nina Hoss: Spezialistin für starke Frauen

Berlin (dpa) - Große Gesten sind nicht ihre Sache. Ein Blick genügt Nina Hoss (39) schon, um die ganze Seelenlandschaft ihrer Figur zu zeigen. Die gebürtige Stuttgarterin gehört zu den gefragtesten Film- und Theaterschauspielern Deutschlands. Meist sind es ungewöhnlich starke, leidenschaftliche Frauen, die Hoss verkörpert.

Donnerstag, 04.09.2014, 08:09 Uhr

Jetzt starten im Kino gleich zwei Filme mit Hoss: An der Seite von Hollywoodstar Philip Seymour Hoffman in seiner letzten Hauptrolle spielt sie in dem Spionagethriller «A Most Wanted Man» (Start 11.9.) die kühle blonde Agenten-Assistentin.

In Christian Petzolds Drama « Phoenix » (Start 25.9.) ist Hoss als Holocaustüberlebende zu sehen, die nach ihrer Rückkehr aus dem Konzentrationslager vom eigenen Mann nicht mehr erkannt wird.

Während Hoss am Theater unter immer wieder wechselnden Regisseuren Erfolge feierte, ist sie mit Filmregisseur Petzold eine enge und einzigartige Arbeitsbeziehung eingegangen.

Nach preisgekrönten Werken wie «Toter Mann», «Yella», «Yerichow» und zuletzt dem DDR-Drama «Barbara» ist «Phoenix» bereits der sechste gemeinsame Film von Hoss und Petzold. «Wenn ich eine Figur von Petzold spiele, erzähle ich immer zwei Dinge gleichzeitig: Etwas über Deutschland und ganz konkret über die Figur», erklärt Hoss im dpa-Interview ihre Arbeitsweise mit Petzold.

Die 1975 als Tochter der Schauspielerin und Intendantin Heidemarie Rohwedder und des Politikers Willi Hoss geborene Schauspielerin stand schon mit 14 Jahren auf der Bühne. Noch während des Schauspielstudiums wurde Hoss 1996 als «Das Mädchen Rosemarie» in dem von Bernd Eichinger inszenierten TV-Remake des Kinoklassikers aus dem Jahr 1958 deutschlandweit bekannt.

In «Die weiße Massai» von Hermine Huntgeburth spielte sie die blonde Schweizerin, die sich auf einer wahren Geschichte beruhend im Kenia-Urlaub in einen Massai-Mann verliebt und ein Leben zwischen zwei Welten beginnt. In Max Färberböcks «Anonyma - Eine Frau in Berlin» verkörperte Hoss eine Berlinerin, die in den letzten Kriegstagen vergewaltigt wird und sich für Frauen mit dem gleichen Schicksal einsetzt.

Auf der Berlinale ist Hoss Stammgast. Für ihre Rolle als «Yella» wurde sie 2007 mit dem Silbernen Bären als beste Schauspielerin geehrt. Zuletzt war sie im vergangenen Jahr in einem Berlinale-Wettbewerbsfilm zu sehen: In Thomas Arslans Western «Gold» ist sie eine Goldsucherin, die im Jahr 1898 in den Weiten Kanadas dem Traum von einem besseren Leben nachjagt.

Neben dem Film ist das Theater das zweite Standbein von Nina Hoss . Das Deutsche Theater Berlin war für die Absolventin der Berliner Hochschule für Schauspielkunst «Ernst Busch» fast anderthalb Jahrzehnte Zentrum ihrer Arbeit und künstlerische Heimat. Das Publikum jubelte ihr dort als von Liebesschmerz gezeichneter Gräfin Orsina im Sensationserfolg «Emilia Galotti» zu.

Für ihre «Medea» wurde Hoss mit dem begehrten Gertrud-Eysoldt-Ring ausgezeichnet. In der Spielzeit 2013/2014 wechselte die Schauspielerin an die Berliner Schaubühne. In Thomas Ostermeiers Inszenierung von Lillian Hellmans «Die kleinen Füchse» gab sie dort ihren umjubelten Einstand.

Trotz der langjährigen Bühnenerfahrung hat Hoss noch immer Lampenfieber, wie sie verrät. «Ich versuche, das mit Humor und Leichtigkeit zu nehmen - es ist ja dann doch auch nur Theater! Man darf sich nicht verkrampfen.»

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