Berlinale 2019
Skurril, frisch, abgründig - der Goldene Bär geht nach Israel

Berlin -

In einem durchwachsenen Berlinale-Wettbewerb mit wenigen Ausreißern nach unten und oben machte die Internationale Jury um Juliette Binoche alles richtig: Sie entschied konsequent an den prätentiöseren Beiträgen vorbei und würdigte dafür die wenigen Filme, die künstlerisch tatsächlich neue Wege gingen.

Sonntag, 17.02.2019, 17:04 Uhr aktualisiert: 17.02.2019, 17:35 Uhr
Der israelische Regisseur Nadav Lapid holte sich den Goldenen Bären für den Besten Film mit seinem Werk „Synonyme“.
Der israelische Regisseur Nadav Lapid holte sich den Goldenen Bären für den Besten Film mit seinem Werk „Synonyme“. Foto: dpa

Besonders gilt das für das israelische Drama „Synonyme“ von Nadav Lapid , das zuvor auch von weiten Teilen der Kritik als einer der Favoriten ausgemacht worden war und nun den prestigereichen „Goldenen Bären“ verliehen bekam. Darin erzählt Lapid, durchaus autobiografisch, von einem jungen Israeli, der nach traumatischen Erlebnissen beim Militär nach Frankreich auswandert und seine Herkunft dort radikal vergessen machen möchte – woran er krachend scheitert. Im senfgelben Mantel streift dieser Yoav durch Paris, manisch eignet er sich das Französische an, um am Ende doch bloß in einem trüben Integrationskurs zu landen. Der skurrile, frische, auch abgründige Film, co-produziert von „Toni Erdmann“-Regisseurin Maren Ade, bleibt stets unvorhersehbar und spannend – eine Seltenheit im diesjährigen Wettbewerb.

Zwei deutsche Beiträge wurden ebenfalls gewürdigt: Nora Fingscheidts energetisches Debüt „Systemsprenger“ erhielt den Alfred-Bauer-Preis für „neue Perspektiven der Filmkunst“ und Angela Schanelec den Regiepreis für ihr formstrenges Werk „Ich war zuhause, aber“ – dem selbst Abgeneigte zugestehen müssen, dass es durch eine konsequente künstlerische Handschrift beeindruckt.

Die Darstellerbären gingen, völlig verdient, an Yong Mei und Wang Jingchun, die trauernden Eltern aus dem chinesischen Dreistünder „So Long, My Son“, und auch an François Ozons Missbrauchsdrama „Gelobt sei Gott“, dessen anstehender Kinostart in Frankreich gerade von der Kirche attackiert wird, war zu Recht kein Vorbeikommen: Es gab den Preis der Jury.

Viele hatten gehofft, dass Direktor Dieter Kosslick für seine letzte Berlinale ein mutigeres, auch mal aus der Reihe tanzendes Programm kuratieren würde; schließlich hatte der 70-Jährige, dessen Zampano-Qualitäten auch international nicht genug zu würdigen sind, nichts mehr zu verlieren. Doch diese Hoffnung war bei der 69. Berlinale schnell enttäuscht. Es dominierten redliche, ästhetisch wenig aufregende Themenfilme. Wieder mal.

Gewiss, die Beiträge des Wettbewerbs bilden nur einen kleinen Teil der reichhaltigen 400-Filme-Berlinale, sie sind aber nun mal ihr Aushängeschild. Zumal es dieses Jahr auch wenig Glamour gab: Wenn nach Charlotte Rampling und Christian Bale die Toten Hosen (mit einem Tour-Film) den größten Auftritt bekommen, ist viel gesagt über das Profil des Festivals.

Der Umbruch unter dem neuen Chef Carlo Chatrian, einem eher introvertierten Italiener, darf also gern grundlegender ausfallen: Chatrian hat zuletzt Locarno zu einem der renommiertesten Filmfestivals weltweit entwickelt; ob ihm das auch beim größten Publikumsfestival der Welt, der Berlinale, gelingt, muss sich zeigen.

Hauptpreise der Berlinale

Hier die wichtigsten Preise der 69. Berlinale:

► Goldener Bär: „Synonyme“ von Nadav Lapid (Israel)

► Silberner Bär: „Gelobt sei Gott“ von François Ozon (Frankreich)

► Silberner Bär Alfred-Bauer-Preis für einen Spielfilm, der neue Perspektiven eröffnet: „Systemsprenger“ von Nora Fingscheidt (Deutschland)

► Silberner Bär beste Regie: Angela Schanelec für „Ich war zuhause, aber“ (Deutschland)

► Silberner Bär beste Darstellerin: Yong Mei in „So Long, My Son“ (China)

► Silberner Bär bester Darsteller: Wang Jingchun in „So Long, My Son“ (China)

► Silberner Bär bestes Drehbuch: Maurizio Braucci, Claudio Giovannesi, Roberto Saviano für „Piranhas“ (Italien)

► Silberner Bär für herausragende künstlerische Leistung: Rasmus Videbæk, Kamera für „Pferde stehlen“ von Hans Petter Moland (Norwegen)

► Goldener Bär für den besten Kurzfilm: „Umbra“ von Florian Fischer, Johannes Krell (Deutschland)

► Silberner Bär für den besten Kurzfilm: „Blue Boy“ von Manuel Abramovich (Argentinien, Deutschland)

...
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6397951?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F197%2F201%2F1819669%2F
Eiersuche mit Picknick
Insgesamt 11 000 bunte Ostereier haben Kinderherzen am Montag im Schlossgarten höhe schlagen lassen.
Nachrichten-Ticker