Kunst
Peter Paul Rubens: Der Malerfürst und sein Vermächtnis

Brüssel (dpa) - Dicke Leiber fahren zur Hölle, die Töchter des Leukippos werden geraubt und ein Amor versucht verzweifelt, einer frierenden Venus zu helfen. Peter Paul Rubens erzählt in seinen Bildern hochdramatische Geschichten.

Donnerstag, 25.09.2014, 15:09 Uhr

Nur wenige Künstler haben Gewalt, Schrecken, aber auch Wollust und Poesie so in Szene gesetzt wie der flämische Malerfürst (1577-1640). Picasso, aber auch Klimt und Kokoschka fanden in den Motiven und der Dramaturgie von Rubens reichlich Inspiration, wie die Werkschau «Sensation und Sinnlichkeit. Rubens und sein Vermächtnis » im Museum für Schöne Künste Bozar in Brüssel zeigt. Die bis zum 4. Januar dauernde Ausstellung ist danach in London in der Academy of Arts zu sehen.

Was die rund 160 Werke zeigen sollen, erschließt sich dem Besucher schon auf den ersten Blick: den nachhaltigen Einfluss Rubens' auf mehr als 400 Jahre Malerei. Frontal werden die Besucher von Rubens gewaltiger Tiger- und Leopardenjagdszene empfangen und gleich daneben mit der «Löwenjagd» von Eugène Delacroix konfrontiert, einem wilden Getümmel aus Mensch und Tier, in dessen Mitte sich ein weißes Pferd aufbäumt - wie bei Rubens. Ungestümheit, Leidenschaft und Farbenharmonie: Mehr als 200 Jahre später ließ sich Delacroix als «neuer Rubens» feiern.

Auch der Schweizer Symbolist Arnold Böcklin hat sich in seinem «Kampf auf der Brücke» von Rubens' Lebendigkeit und Pathos inspirieren lassen. Da war der Flame bereits seit mehr als 250 Jahren tot. «Rubens geht unter die Haut. Er schockiert und ist sensationell», erklärte der Kurator Nico van Hout die Faszination auf die nachfolgenden Künstlergenerationen. Keiner habe so breitgefächert arbeiten können wie Rubens, fügte er bewundernd hinzu. Historienbilder, mythologische Szenen, Porträts oder Landschaften: Rubens deckte alle Genres ab. Aus der Bandbreite der Motive hat sich der Rubens-Experte die Themen Gewalt, Macht, Wollust, Mitgefühl, Eleganz und Poesie gepickt, in die er die Werkschau unterteilt hat.

Van Dyck, Rembrandt, Jacob Jordaens, Watteau, Delacroix, Lovis Corinth, Manet, Picasso und Cézanne - die Liste der Künstler, die van Hout dem Malerfürsten gegenüberstellt, ist beachtlich. Für besondere Überraschung sorgen jedoch zwei Werke, die von Gustav Klimt und Oskar Kokoschka stammen.

Im Katalog ist nachzulesen, warum sie in der Rubens-Ausstellung hängen. Demnach verweisen in der «Heiligen Cäcilia» von Klimt sowohl die Komposition des 1885 entstandenen Bildes als auch die Haltung der Heiligen an der Orgel auf Rubens. Bei Kokoschkas «Loreley» - ein Ölgemälde aus dem Jahr 1942, auf dem Queen Victoria als Loreley auf einem Hai reitet - nehme die Darstellung Bezug auf Rubens' Neptunabbildungen auf dem Meer.

Die Ausstellung stellt von Rubens 20 Gemälde, 6 Ölskizzen, 8 Zeichnungen und 10 Kupferstiche aus. Manche Vergleiche erzeugen einen Déjà-vu-Effekt, vor allem die mit seinen Zeitgenossen. Was die Gegenüberstellungen jedoch eindeutig zeigen: Rubens wurde nicht umsonst zum «Gott der Maler» erkoren. Und dafür, nackte Haut und Sinnlichkeit zu malen, war er der Experte schlechthin.

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