Kunst
Markus Lüpertz: Der Künstler hat das Recht zu lügen

Markus Lüpertz gilt als bedeutendster deutscher Gegenwartskünstler und Malerfürst. Der Privilegien, die ihm dieser Status einräumt, ist er sich bewusst - darunter auch das Recht auf Unmoral.

Freitag, 17.04.2015, 16:04 Uhr

Paris (dpa) - Markus Lüpertz hält mit seinen Meinungen nicht hinter dem Berg. In seinen Ansichten schneidet er selber meist am besten ab. Er sei ein Auserwählter, der gewisse Privilegien habe, sagte der Maler und Bildhauer der Deutschen Presse-Agentur in Paris.

Darüber, wie diese aussehen, sprach der 73-Jährige in dem Interview anlässlich seiner ersten großen Retrospektive in Paris.

Frage: Nach Madrid und Amsterdam widmet Ihnen nun auch Paris eine erste Retrospektive. Wie fühlt sich das an?

Antwort: Wenn man in der Metropole ein Resümee seiner Kunst ziehen kann, ist das toll. Da ich meine Werke nicht immer in einem so großzügigen Kontext sehe, sind Ausstellungen für mich immer wie Sonntag - wie ein großes Fest.

Frage: Für ihre Kritiker sind Sie ein «bramabasierender Böhme», für ihre Befürworter ein «bekennerisches Genie». Wie sehen Sie sich als Künstler?

Antwort: Wir sind Auserwählte. Ich glaube, dass der Künstler einen Auftrag von Gott hat und keinen aus dieser Welt. Der Künstler hat einen Sonderstatus. Ich bin mir der Sonderstellung bewusst.

Frage: Wie sieht diese aus?

Antwort: Ich bilde mir ein, bestimmte Freiheiten zu haben. Das Recht auf Unmoral und gewisse Respektlosigkeiten. Das Recht, die Wahrheit zu verbiegen. Das Recht zu lügen. Das sind gewisse Privilegien.

Frage: Sie gelten als Bonvivant und sind Liebhaber schneller Autos. Wie wichtig ist Ihnen Geld?

Antwort: Unter den bekannten Malern in Deutschland bin ich der ärmste, der schlecht bezahlteste. Ich rede nie über Geld. Jeder, der meine Bilder kauft, spekuliert nicht, sondern bezahlt dafür, dass ich weiter malen kann. Die Versuche, mit meinen Bildern zu spekulieren, sind alle gescheitert.

Frage: Warum?

Antwort: Ich male keine marktgerechten Bilder. Meine Arbeiten sind zu nervös, zu aufgerissen. Da gibt es keine Strichmännchen, wird nichts verwischt oder auf den Kopf gestellt.

Frage: In einem Interview mit der «Zeit» nannten Sie den Kunstbetrieb eine Massenveranstaltung und Museen Geisterbahnen. Warum spielen Sie da mit?

Antwort: Nicht die Museen sind Geisterbahnen, sondern das, was man darin sieht. Da kommen Beine aus dem Boden und ein Pferd aus der Wand. Das war nicht polemisch gemeint, sondern feststellend. Mit der «Zeit» habe ich über Kunst geredet und mich als Konsument und Besucher geäußert. Mit Ihnen rede ich über Malerei.

Frage: Und was ist das für Sie?

Antwort: Das, was sich mache. Das ist eine Tradition. Malerei gibt es, hat es immer gegeben. Die Qualität eines Bildes wird immer daran gemessen, wie viel es von einer Malerei hat, von dem, was sich an großer Malerei definiert hat. Und mit dieser Malerei setzt man sich auseinander.

ZUR PERSON: Markus Lüpertz wurde am 25. April 1941 in Reichenberg in Böhmen geboren, von wo aus er 1948 mit seiner Familie nach Rheydt im Rheinland flüchtete. Der Maler und Bildhauer war von 1988 bis 2009 Rektor an der Staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf. Heute ist er Dozent an der Akademie der Bildenden Künste an der Alten Spinnerei in Kolbermoor im Raum München. 

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