Kommentar: Berlins neue Mitte
Kultur braucht Visionen

Über den Wiederaufbau des Berliner Schlosses lässt sich trefflich streiten. Die einen freuen sich über eine schmucke Mitte Berlins und spenden eifrig, die anderen sprechen von Retro-Look und Gigantomanie. Viele frohlocken, dass der Palast der Republik endlich weg ist, manche sahen gerade in dem Relikt sozialistischer Protz-Architektur ein Mahnmal für die untergegangene DDR.

Samstag, 13.06.2015, 11:06 Uhr

Von Johannes Loy

Ginge es nur um ein riesiges Stück Beton mit nachgemachter Barockfassade, vielleicht sogar um Preußens Glanz und Gloria, dann müsste man am Verstand der Berliner und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz zweifeln. In Wirklichkeit aber entsteht hier das neue Humboldt-Forum als ein faszinierender Kosmos der Völker, Kulturen und Schätze der Welt. Zugleich wird die Fassade an das alte Stadtschloss der Hohenzollern erinnern und damit auch ein Stück Berliner Stadthistorie, das DDR-Bonzen in einem Anfall geistloser Geschichtsvergessenheit in die Luft sprengten, wie ein Zitat aus alter Zeit neu zum Strahlen bringen.

Der Name des neuen Humboldt-Kulturforums steht für ein preußisches Brüderpaar höchster universeller Gelehrsamkeit von der neuhumanistischen Bildung bis zur Naturforschung und Weltentdeckung. Gründungsintendant Neil McGregor wird dem Bau Geist und Leben einhauchen. Kultur braucht Visionen. 2019 wird eine solche Vision wahr.

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