Ausdruck des Eindrucks
Kunst des Augenblicks: Impressionismus im Museum Barberini

Die Seerosen fesseln das Auge, eingefangen im Augenblick des bizarren Spiels von Licht und Schatten. Sie scheinen sich sogar leicht im Wasser zu bewegen. Im Museum Barberini sind sie die Stars.

Freitag, 27.01.2017, 07:59 Uhr
«Seerosen» von Claude Monet.
«Seerosen» von Claude Monet. Foto: Bernd Settnik

Potsdam (dpa) - Seerosen überall - gleich vier Gemälde mit den berühmtesten Blumen des Impressionisten Claude Monet (1840-1926) faszinieren die Besucher im neuen Potsdamer Kunstmuseum Barberini.

Tiefblaue, strahlend gelbe und zerbrechliche, roséfarbene Blüten sind in der seit einer Woche geöffneten Schau «Impressionismus. Die Kunst der Landschaft» zu bewundern. Den Ausstellungsmachern gelang es, rund 100 Gemälde aus Privatsammlungen und Museen aus aller Welt nach Potsdam zu holen - darunter allein 41 von Monet.

«Es ist schon außergewöhnlich in dieser Fülle und vor allem in dieser Kombination», erklärt Museums-Direktorin Ortrud Westheider den seit der Eröffnung anhaltenden Andrang. Durch die vielen Bilder sei es möglich, die Entwicklung des Impressionismus darzustellen. Viele der Künstler malten erst Wasserlandschaften, dann Gärten, Schneeszenarien und mediterrane Abbildungen.

Die Unesco-Welterbe-Stadt Potsdam bietet traditionell viel Kunst: Alte Meister sind seit 250 Jahren in der Gemäldegalerie am Schloss Sanssouci zu finden. Die Impressionisten residieren jetzt in dem neuen Museum. Beide Häuser sind barock: das eine original, dass andere innerhalb von drei Jahren wieder im alten Stil aufgebaut. Für das eine sorgte Kunstliebhaber und Preußenkönig Friedrich II. (1712-1786), das andere ist dem 73 Jahre alten Kunstmäzen und Software-Milliardär Hasso Plattner zu verdanken.

Die Gemälde von Claude Monet, August Renoir, Alfred Sisley oder Camille Pissarro finden in den modernen Räumen ein außergewöhnliches Ambiente. «Wie bereits zur Zeit Friedrichs des Großen ist dieses Haus ein Statement gegen Enge, gegen Provinzialismus, gegen die Angst vor der Welt 'da draußen'», sagt der Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Hartmut Dorgerloh. Dass gleich die erste Ausstellung der Landschaft gewidmet sei, ermögliche zudem noch einen ganz neuen Blick auf die Potsdamer Landschaftskunst von Peter Joseph Lenné und Hermann von Pückler-Muskau.

Ins Freie wagten sich die Impressionisten im 19. Jahrhundert - dorthin, wo der Wind die Blätter bewegte, die Sonne brannte und das Licht sein Eigenleben führte, heraus aus ihren geschützten Ateliers in Paris. «Aus heutiger Sicht waren sie richtig frech», sagt Direktorin Westheider.

Sie entdeckten eine damals fast revolutionär erscheinende Kunst des Malens: unter freiem Himmel, in der Natur, ohne die Zwänge des beengten Raumes. Und sie lösten sich von der malerischen Abbildungsfunktion. Der Eindruck, der Moment, die Abstraktion zählten. Ein Beispiel ist «Der Hafen von Le Havre am Abend» (1873) von Monet: Im dunklen Wasser funkeln schemenhaft die Bootslampen, allein erkennbar durch helle Pinselstriche.

Statt bislang Historienbildern im Atelier malten die Maler Brücken, die sich im Wasser spiegelten. Dann beobachteten sie die Landschaft am Meer. Sie hielten sanfte Wellen und majestätische Klippen fest, wie Monet mit «Petites-Dalles bei Ebbe» (1884).

Die Künstler zog es in Wälder, auf Felder oder in die eigenen Gärten. Die Jahreszeiten spielten eine große Rolle: ihren Winter-Bildern verliehen sie mit der Farbe Weiß viele Schattierungen. Lichteffekte lassen den Frost ahnen. Pissarro zeigt sich mit «Blick auf Bazincourt, Schnee, Sonnenuntergang» (1892) sehr rigoros: Für Effekte nutzt er sparsam Farben. «Sie richteten den Blick auf das Nahe», sagt Westheider.

Die Wände in jedem der acht Themenräume sind in den Farben gestrichen, die die Wirkung der Bilder unterstreichen und einen zusätzlichen Rahmen bieten. «Es gibt verschiedene Olivtöne, aber auch Graublau», sagt Westheider. Mit dem kräftigen Aubergine der Wände kommen die Seerosen noch intensiver zur Geltung.

Westheider und ihr Team gingen in der Ausstellung künstlerischen Entwicklungen nach. Beschrieben wird der Mut der Künstler, eingefahrene Wege zu verlassen. «In der freien Natur konnten neue künstlerische Verfahren ausprobiert werden», sagt sie. In den vielen Gartenbildern fanden sie einen ungeahnten Umgang mit Farbe. Sie verwoben Licht und Luft, ließen die Landschaften flirren.

Barberini ist aber nicht nur ein Haus für Impressionisten. Klassiker der Moderne und Gegenwartskunst finden ihren Platz. Potsdam habe ein städtebauliches Juwel zurückbekommen und die Museumslandschaft in Berlin-Brandenburg sei um einen attraktiven Akteur reicher, sagt Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, der zu den ersten Besuchern gehörte. Es sei gut, dass die Öffentlichkeit nun in den Genuss von Plattners Kunstsammlung komme, stets in thematisch wechselnden Ausstellungen aufbereitet.

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