Der Malerfürst als Musikus
Burg Vischering bietet einen Überblick über Grafiken und Skulpturen von Markus Lüpertz

Lüdinghausen -

Wer in nächster Zeit zum Zwecke des Musizierens die Bühne des Konzertsaales im Museum Burg Vischering erklimmt, wird womöglich Konkurrenz im Rücken spüren. Denn einer, der sich privat dem Jazz verschrieben hat, ist schon da. Mal sitzt er am Klavier, mal spielt er Trompete, mal Saxofon. Tatsächlich überrascht, wie oft sich der Maler, Grafiker und Bildhauer Markus Lüpertz als Musikus hier selbst darstellt. „Ein persönlicher Blick“ heißt die klug konzipierte Ausstellung, die druckgrafische Werke mit Skulpturen des einstigen Rektors der Düsseldorfer Kunstakademie kombiniert.

Montag, 26.02.2018, 12:02 Uhr

Auch seine Skulpturen, hier die „Eule der Athena“, gestaltet Markus Lüpertz farblich der Bildsprache seiner „Schinkel-Reihe“ im Hintergrund ähnlich.
Auch seine Skulpturen, hier die „Eule der Athena“, gestaltet Markus Lüpertz farblich der Bildsprache seiner „Schinkel-Reihe“ im Hintergrund ähnlich. Foto: pn

Das Museum kann damit – nach der Sanierung der Burg Vischering – mit einem Ausstellungsknaller aufwarten, gilt der 76-Jährige doch als einer der bedeutendsten deutschen Gegenwartskünstler. Arbeiten von ihm nach Lüdinghausen zu holen, dürfte nicht einfach gewesen sein. Doch Kreiskulturreferentin Christine Sörries konnte auf eine private Sammlung zurückgreifen – die von Gundolf Roy, einem Wegbegleiter von Lüpertz und zugleich sein langjähriger Drucker. Die Schau, nach Motivgruppen geordnet, thematisiert damit auch den Anteil, den Roy an Lüpertz’ druckgrafischem Werk hat.

Davon gewinnt der Besucher schon im Konzertsaal einen lebhaften Eindruck. Zum einen lassen sich hier Arbeiten zum Thema Musik finden. Ein quadratischer Siebdruck (Auflage 500 Stück) etwa fällt ins Auge – darauf der Künstler, gemalt in kraftvollen Strichen und spiralförmigen Kreisen. Es handelt sich um ein Cover für eine Doppel-LP, die der Künstler als passionierter Free-Jazzer mit der Band TTT auf den Markt brachte. Dazu passend: Lüpertz’ Selbstbildnis mit Saxofon, dem viel Humor innewohnt.

Doch der Malerfürst, so erläutert Kulturreferentin Swenja Janning beim Rundgang, hat auch ein Faible für Heroen, die er im Bild mit suggestiver Kraft und archaischer Monumentalität ausstaffiert – zu sehen bei der „Aphrodite“, dem größten Werk der Schau. Sehenswert ist auch der zwölfteilige Zyklus (2001) mit Radierungen, die den Sturz der Titanen aus der griechischen Mythologie dramatisch verbildlichen.

Eine Etage höher, im Raum rechts, stößt der Besucher auf Gouachen mit ab­strakten Motiven. Und auf die erste Skulptur: eine handübermalte Bronze der „Bremer Stadtmusikanten“, die Lüpertz für die Stadt an der Weser realisieren sollte. Doch es blieb beim „Bozzetto“, sprich: beim Entwurf als wichtige Vorstufe des endgültigen Werkes. Dass der Hahn, der oben thront, Esel, Hund und Katze in der Größe überragt, gibt dem Werk sein amüsantes Gepräge.

Verfremdet und um mythologische Aspekte erweitert ist die Serie der Zeichnungen mit Schinkel-Bauten, die Lüpertz mit leuchtenden, einen Sog erzeugenden Farbflecken flankiert. In kräftiges Orange sind auch die Engel getaucht, die der Künstler zu Weihnachten gern als Grußkarten verschickt – und die hier in Zwiesprache mit einem Selbstbildnis des Malers und der Skulptur „Heinrich Mann + Ich = Henri IV“ wunderbar lakonisch wirken.

Generell sind die Kombinationen von Bild und Skulptur in dieser Ausstellung gelungen, wie sich auch im Raum gegenüber zeigt. Dort korrespondieren der versonnen schauende Beethoven (Radierung über Farbserigraphie, 2011) und der ziegenbeinige Mozart (Bronze) ebenso harmonisch wie der verdatterte „Odysseus“ im sinkenden Boot mit dem stolzen „Paris“ oder die kesse „Felicitas“ mit den drallen „Drei Grazien“ aus der gleichnamigen Siebdruckserie.

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Bis zum 29. April im Museum Burg Vischering in Lüdinghausen, Berenbrock 1. Di-So, 10-18 Uhr.  | www.burg-vischering.de

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