Abschied
Akte und Landschaften - Fotograf Klaus Ender gestorben

Er fotografierte nackte Körper genauso gerne wie Landschaften - und schrieb Gedichte. Im vergangenen Jahr verlor der Fotograf Klaus Ender dann sein Augenlicht fast komplett.

Samstag, 20.03.2021, 01:48 Uhr aktualisiert: 20.03.2021, 02:00 Uhr
Der ostdeutsche Aktfotograf Klaus Ender ist mit 81 Jahren gestorben.
Der ostdeutsche Aktfotograf Klaus Ender ist mit 81 Jahren gestorben. Foto: Stefan Sauer

Bergen (dpa) - «Wenn mich die Schönheit eines Augenblicks übermannt, muss ich diesen Augenblick festhalten.» So beschrieb der ostdeutsche Akt- und Landschaftsfotograf Klaus Ender seine Arbeit.

Im vergangenen Jahr verlor Ender sein Augenlicht. Am Donnerstag starb er im Alter von 81 Jahren zu Hause in Bergen auf Rügen, wie seine Frau Gabriela Ender der dpa sagte.

Seit dem vergangenen Jahr konnte er nicht mehr fotografieren und seine Arbeiten nicht mehr betrachten. «Er hatte leider Gottes einen Augeninfarkt, der zur Erblindung führte», sagte die Witwe. «Ihm war damit alles genommen, was sein Leben ausgemacht hatte.» Auf dem linken Auge hatte er schon als junger Mann keine Sehkraft. Daher konnte er den Beruf Fotograf nicht erlernen, er arbeitete freiberuflich.

1962 kam er auf die Insel Rügen, um dort als Bäcker in der Saison zu arbeiten. Er wurde erstmals mit FKK konfrontiert. Am Strand fand der Autodidakt Akt-Modelle. Anfang der 1970er Jahre wurde er dann als Fotograf bekannt.

1975 war er einer der Initiatoren der ersten und größten Aktausstellung in der DDR. Die Wanderschau «Akt und Landschaft» zählte mehr als 100.000 Besucher und galt als erfolgreichste Fotoausstellung der DDR. Die Fotos von Ender sind auch aus den begehrten DDR-Zeitschriften «Eulenspiegel» und «Das Magazin» bekannt. Er verfasste zudem Aphorismen und Gedichte, schrieb Bücher, publizierte zahlreiche Fachaufsätze, Kalender und Kunstpostkarten.

Der Aktfotografie hatte Ender in den vergangenen Jahren weitgehend den Rücken gekehrt. «Es zählt nur noch die Provokation, das Coole und Geile», sagte er unmittelbar vor seinem 70. Geburtstag. Es mache ihn traurig, dass Ethik und Moral immer stärker an Wert verlören. In den Mittelpunkt seines fotografischen Schaffens sei stattdessen die Natur gerückt: eine aufbrechende Hagebutte, eine sonnendurchflutete Mohnblüte. «Im Kleinen liegt das wahre Große», benannte Ender einen seiner Lebensgrundsätze.

Über das Leiden des Künstlers in den vergangenen Monaten schrieb Gabriela Ender in einer Mitteilung: Seine Parkinson-Erkrankung sei zuletzt weiter fortgeschritten, so dass jeder Tag für ihn nur noch ein Kampf gewesen sei. «Bei derart übermächtigen Gegnern machte er kurz vor seinem 82. Geburtstag das, was er noch nie in seinem Leben tat – er hörte auf zu kämpfen.»

© dpa-infocom, dpa:210320-99-896761/2

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