Musik
Bernhoft: Blasser Nerd mit ganz viel Soul

Berlin (dpa) - Vom Albumcover blickt uns ein blasser Mann mit Nerdbrille und dunkelroter Haartolle entgegen. Definitiv kein Bild, das zu Stimme und Sound der neuen Bernhoft-Platte passt.

Donnerstag, 24.04.2014, 18:04 Uhr

Denn die Musik des norwegischen Multiinstrumentalisten und Sängers (bürgerlicher Name: Jarle Bernhoft) ist «schwarz», im Sinne von Prince, Curtis Mayfield , Sly Stone oder Michael Jackson. Also Musik, die sich an Soul-Ikonen vergangener Jahrzehnte ausrichtet. Und das Schönste: Bernhofts Songsammlung «Islander» (Embassy Of Music/Warner) hört sich dermaßen ungekünstelt und lässig an, dass es eine wahre Freude ist.

Der 37-jährige aus Oslo produzierte den Nachfolger des bereits hochgelobten «Solidarity Breaks» (2011) auf der Isle Of Wight, mit Hilfe von Paul Butler, der schon dem Debüt des Brit-Soul-Mannes Michael Kiwanuka (2012) ein edles Retro-Gewand verpasst hatte. Nach Bernhofts Eindruck ist diese Insel «ein magischer Ort, fast schon wie eine Zeitmaschine, die Dich 30 Jahre zurückbringt».

Vielleicht waren es auch 40 Jahre, denn beispielsweise «Esiwalk» mit funky E-Piano und Chorgesang kann oder will die Inspiration durch den Stevie Wonder der mittleren 70er Jahre gar nicht erst leugnen. Und «Don't Let Me Go» oder «I Believe...» klingen nach den großen Schmacht-Balladen der Sixties/Seventies-Legende Marvin Gaye.

Aber Bernhoft ist bei weitem nicht nur der typische Schlafzimmer-Charmeur mit seidigem Falsett. Er kann auch Funk mit bollerndem Bass, feinen Gitarrenriffs und knochentrockenem Schlagzeug-Groove («Everything Will Be Alright»), so dass man unmittelbar an den kleinen Prinzen aus Minneapolis denkt. Auf «Come Around» und «One Way Track» kommen Einflüsse von George Benson und The Jacksons zusammen. Der entspannt im Steely-Dan-Modus dahinrollende Westcoast-Soul «No Us, No Them» enthält gar ein Duett mit der wunderbaren Jill Scott.

So lässt sich hinter jedem der elf Tracks von «Islander» ein kaum verhülltes Vorbild erkennen, ohne dass man es hier mit einer peinlichen Kopisten-Revue zu tun hätte. Dafür macht das «norwegische Weißbrot» mit der tollen Soul-Stimme seine Sache kompositorisch und handwerklich viel zu gut - und Bernhofts Platte als Ganzes viel zu viel Spaß.

Konzerte: 25.5. Zürich, Plaza; 26.5. Köln, Live Music Hall; 27.5. Berlin, Huxleys; 28.5. Hamburg, Große Freiheit; 30.5. Mannheim, Maifeld Derby-Festival

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