Musik
D'Angelo gibt dem Soul seine Seele zurück

Berlin (dpa) - Gute Zeiten für authentischen Soul jenseits der Retrotrends: Mitte Januar erscheint «Soul Power», das von Iggy Pop und Jack White bereits in höchsten Tönen gelobte Debütalbum des Ex-Backgroundsängers Curtis Harding.

Dienstag, 06.01.2015, 13:01 Uhr

Bereits Ende letzten Jahres kam «Black Messiah», das neue Album des fast vergessenen Sängers D'Angelo und seiner Band The Vanguard in die Läden. Vor mittlerweile 15 Jahren sorgte D'Angelo mit «Voodoo» für Furore, das Album brachte ihm Grammy-Ehren und festigte nach dem Erfolgsdebüt «Brown Sugar» (1995) seinen Ruf als innovativer Wegbereiter des Neo Soul .

Vielleicht waren die Erwartungen in der Folge zu hoch, D'Angelo schlidderte in die kreative Krise, aus der sich der Sohn eines Predigers aus Richmond in Virginia jetzt mit «Black Messiah» ( RCA / Sony Music) eindrucksvoll befreit. Das neue Album des 40-Jährigen erscheint in unruhigen Zeiten, die Black Community in den USA ist in Aufruhr, nach den Unruhen von Ferguson scheint das Thema Rassismus im Alltag wieder ganz oben auf der gesellschaftlichen Agenda zu stehen. Gute Zeiten für eine Neuinterpretation von Soul und R&B.

Die ersten Tracks von «Black Messiah» kommen eher sperrig und abweisend daher, mit dumpfen Bass-Lines, scheppernden Drums und rauen Riffs biedert sich D'Angelo nun wahrlich nicht an. Aber schon im Opener «Ain't That Easy» hört man auch die Wärme und Kraft seiner Stimme heraus, die scheinbar gegen alle Widerstände zu ihrem Recht kommt.

Erst mit «Really Love» wird der Tonfall spielerischer, ein Sample von Curtis Mayfield wirkt wie ein Fenster in eine glorreiche Vergangenheit. Aber D'Angelos Soul Music klingt nie nostalgisch. Unterstützt von Musikern wie dem Trompeter Roy Hargrove oder Questlove von der Hip-Hop-Band The Roots überzeugt diese zeitgemäße Fortschreibung des Rhythm & Blues-Idioms. In dieses Konzept fügen sich dann auch Geigen, spanische Gitarrenklänge und Harfen ein. Dabei finden sich kaum Computer-Samples auf dem Album, das ganz altmodisch analog aufgenommen wurde.

Sich selbst sieht D'Angelo keineswegs als «Black Messiah». Es gehe um die Menschen, die sich in Ferguson erheben und in Ägypten und bei der Occupy Wall Street-Bewegung und überall dort, wo eine Gemeinschaft genug hat und beschließt, Veränderungen herbei zu führen. «'Black Messiah' ist nicht ein einzelner Mensch. Es ist das Gefühl, dass wir alle gemeinsam dieser Anführer sind.». Diese Botschaft kauft man dem Mann, der wie Phoenix aus der Asche auferstanden ist, gerne ab. Auch weil sie so ganz ohne hohle «Black Power»-Posen auskommt.

Im Februar und März ist D'Angelo in Deutschland unterwegs. 02.02. Neu Isenburg, Hugenottenhalle; 14. 02. Berlin, Columbiahalle; 24. 02. Hamburg, Docks; 06.03. Köln, Theater am Tanzbrunnen

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