Musik
Sehr speziell: Duke Specials edler Piano-Pop

Berlin (dpa) - Seinen Look bezeichnete er mal als «Hobo Chic»: lange Dreadlocks, geschminkte Augen und barock anmutende Klamotten. Auch musikalisch ist Peter Wilson alias Duke Special recht extravagant. Sein neues Album bildet da keine Ausnahme.

Donnerstag, 11.06.2015, 19:06 Uhr

«Look Out Machines!» (Stranger Records/Indigo) setzt die lange Reihe wunderbar verspielter, hochpoetischer, auch liebenswert-spinnerter Platten und Projekte fort, denen sich der Singer/Songwriter aus Nordirland seit fast zwei Jahrzehnten widmet. Wieder sind hier Lieder zu hören, die mühelos eine Schnittmenge zwischen Rufus Wainwright und Ed Harcourt , The Dresden Dolls und The Divine Comedy finden.

Etwas muskulöser produziert als üblich (vor allem das basslastige «In A Dive» und das wuchtig-drängende «Son Of The Left Hand» fallen aus dem Rahmen), bleibt «Look Out Machines!» insgesamt doch in der Tradition orchestraler Duke-Special-Alben wie «Songs From The Deep Forest» (2006) oder «Oh Pioneer» (2012). Gekrönt wird die Platte von zwei der edelsten Balladen in Wilsons an edlen Balladen reicher Karriere: «Statues» und «Tweed Coats» sind wirklich zum Heulen schön.

«Wie in so vielen meiner Lieder steckt darin eine Mixtur aus Traurigkeit und Hoffnung», sagte Wilson dem Online-Magazin «Clash» über diese Lieder. Dafür sucht sich der 44-Jährige stets kongeniale Partner: seinen langjährigen Produzenten Phil Wilkinson, Iain Archer (ex-Snow Patrol), diesmal auch renommierte Songwriter-Kollegen wie Boo Hewerdine (The Bible) und Gary Clark (Danny Wilson).

Wer erst mit «Look Out Machines!» auf den Geschmack gekommen ist, dem sei das wohl ambitionierteste Projekt von Duke Special empfohlen. Sein nunmehr fünf Jahre altes Triple-Album «The Stage, A Book And The Silver Screen» enthält: eine Vertonung von Brechts Bühnenwerk «Mutter Courage» für das National Theatre in London; die letzten fünf von Kurt Weill komponierten Musical-Songs zu Mark Twains «Huckleberry Finn»; ein Dutzend Lieder, die von Stummfilmen der 20er inspiriert wurden. 29 Folkpop-Juwelen mit fast 90 Minuten Laufzeit in einer liebevoll gestalteten Box ­ das Meisterwerk des Mannes aus Belfast.

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