Musik
K.I.Z.: Subtile Wut, dunkle Texte und Weltuntergang

Die Ironiekünstler von K.I.Z. machen ernst: Auf ihrem fünften Album brüllen sie seltener wütend ins Mikrofon. Stattdessen erzählen sie öfter düstere Geschichten. Die Wut aber bleibt, wird subtiler und führt zu ungewöhnlichen Kontrasten.

Montag, 13.07.2015, 06:00 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 13.07.2015, 06:00 Uhr
K.I.Z. bei Rock im Park.
K.I.Z. bei Rock im Park. Foto: Matthias Merz

Berlin (dpa) - Sie nennen sich wahlweise Kannibalen in Zivil, Künstler im Zuchthaus oder Klosterschüler im Zölibat - wofür die Abkürzung K.I.Z . wirklich steht, bleibt aber wohl für immer offen.

Jetzt ist mit «Hurra die Welt geht unter» das fünfte Studioalbum der Berliner Rapper erschienen. Darauf bejubeln Tarek, Nico und Maxim mit DJ Craft den Weltuntergang , erzählen düstere Geschichten und behalten ihre Wut auch zehn Jahre nach dem ersten Album.

Markenzeichen der Berliner Rapper sind neben sexistischen und provokanten Texten bisher vor allem Sarkasmus, Ironie und intelligente Wortspiele. Auf dem neuen Album gibt es eine große Veränderung. Jetzt erzählen K.I.Z. Geschichten von Verfall, Drogenmissbrauch, Vergewaltigungen, Verzweiflung und Tod.

Die Musik besteht dabei nach wie vor oft aus tanzbaren Beats. Diese harte Gegenüberstellung gipfelt in «Was würde Manny Marc tun?»: Die Rapper erzählen von bis zum Tode verzweifelten Menschen, im Refrain nimmt Party-Rapper Manny Marc («Disco Pogo») uns dann zu Dance-Beats mit in die «Rummelbumsdisco». «Das sind die besten Lieder, zu denen du gleichzeitig tanzen und weinen kannst», sagt Tarek.

Doch es bleibt nicht alles düster. Im Titeltrack «Hurra die Welt geht unter» zeichnen die vier Berliner fast unironisch die Utopie einer post-apokalyptischen Welt, in der es keine Gefängnisse mehr gibt, Menschen alles teilen und Tomaten wieder nach Tomaten schmecken. Den rauen, melancholisch-optimistischen Refrain steuert Henning May von AnnenMayKantereit («Wohin du gehst») bei. Damit haben es K.I.Z. zum ersten Mal in die Rotation großer Radiosender wie 1Live geschafft. Dass sie sich darüber freuen, wollen sie natürlich nicht zugeben.

Der Schritt in die großen Sender war dabei abzusehen. Das «SZ-Magazin» sah die Band bereits vor einigen Jahren in der Tradition der «Spaßguerilla» und alles andere als primitiv, die «Frankfurter Rundschau» attestierte den Rappern eine «dicke Hose mit Grips», andere bezeichneten sie als «die neuen Ärzte».

Und nach dem Auftritt beim Hurricane Festival vor wenigen Wochen schrieb der «Rolling Stone»: «Die zahlreichen popkulturellen Zitate - von Venga-Boys bis Pippi Langstrumpf - sind enorm wirkungsvoll und derart subtil eingesetzt, dass ihre Verschiebung auf einen oftmals unerhört subversiven Kontext erst wirksam wird, wenn der Rausch des Abends längst verflogen ist.»

Und die Wut? «Je älter man wird und je mehr man sich mit Dingen auseinandersetzt, desto konkreter wird diese Wut», sagt Sil-Yan (DJCraft). Auf dem neuen Album bricht sie sich unter anderem in «Boom Boom Boom» Bahn. «Ich finde Musik, die zufrieden und satt ist, die ist auch langweilig», sagt Tarek. Er will lieber, dass die Leute zu seiner Musik Amok laufen.

Generell bleibt die Wut auf «Hurra die Welt geht unter» aber subtil. K.I.Z. trauen sich jetzt, ernst zu werden - Ironie und Sarkasmus auch mal wegzulassen. Durch die tanzbaren Beats und eingängigen Refrains gehen viele der 13 Lieder schnell ins Ohr, an den düsteren Texten und klugen Anspielungen knabbert aber der Kopf noch einige Zeit. Mit dem Titeltrack bringen es K.I.Z. sogar zu einem Song mit echtem Sommerhitpotential. Eingefleischte Fans müssen aber auf die typischen Wortspiele und Punchlines auch nicht ganz verzichten.

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