Musik
Träum weiter: Beach House machen's wieder mit Gefühl

Nach ihren jüngsten Alben wurde der Hype um die US-Dream-Popper von Beach House enorm angefeuert. Für «Depression Cherry» drehen sie die Flamme wieder etwas zurück: Popsongs schreiben? Nein, danke.

Montag, 31.08.2015, 06:04 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 31.08.2015, 06:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 31.08.2015, 06:04 Uhr
Musik : Träum weiter: Beach House machen's wieder mit Gefühl
Foto: dpa

Hamburg (dpa) - Bei Beach House muss man sich seit jeher auf 100 Prozent Emotionen einstellen. So auch bei der neuen Platte. Fragt man etwa Bassist Alex Scally , woher der Sound seines Indie-Duos entspringt, antwortet er nachdrücklich: «Wir denken nicht nach, niemals. (...) Wir erlauben uns, Dinge einfach zu fühlen.»

Gemeinsam mit Sängerin und Keyboarderin Victoria Legrand hat er jetzt «Depression Cherry» veröffentlicht, das fünfte Werk und zugleich ein weiteres Kapitel ihres somnambulen Dream-Pops.

Beach House galten spätestens seit ihren beiden jüngsten Alben «Teen Dream» und «Bloom» als so etwas wie die Wunderkinder im Indie-Kosmos. Bei ausverkauften Konzerten wurden für Karten unter der Hand schon mal dreistellige Beträge geboten. «Klar könnte man weitermachen und immer größer werden», sagt Scally der Deutschen Presse-Agentur . «Für uns würde es dann aber wahrscheinlich abwärts gehen, weil wir kein Interesse daran haben, Singles oder Popsongs zu schreiben.»

Mit «Depression Cherry» geht das Duo aus Baltimore (US-Bundesstaat Maryland) ein wenig zu seinen Ursprüngen vor knapp zehn Jahren zurück, als Legrand und Scally - damals Mitte 20 - mit ihrem selbstbetitelten Debüt noch in einer kleineren Nische waberten.

Das Album beginnt mit dem leichten «Levitation» und Legrands halluzinogener Alt-Stimme - ein Lied, das ohne aufzufallen auch auf eine der frühen Platten gepasst hätte. Danach wartet «Sparks» mit bekannt dröhnendem Bass auf. Und ungewohnt klar kommt das Herzschmerzstück «Beyond Love» daher. «Wir gehen nicht hin und sagen: Lass uns einen Trennungssong schreiben», sagt Scally. «Wir nehmen Dinge so, wie sie kommen.» Mit «Wildflower» und «Bluebird», zwei (nach Beach-House-Parametern) leichten Uptempo-Nummern, haben sich dann doch noch so etwas wie Popsongs auf die Platte geschlichen.

Ihre Stücke entstehen in einem Proberaum voller Orgeln und Keyboards, sagt Scally. «Der Sound dieser Instrumente inspiriert uns, das Gefühl, das daraus erwächst.» Doch Beach House bieten diesmal nicht nur etwas für die Ohren, sondern auch für die Fingerspitzen: Die Platte ist in roten Samt gefasst. Während Coverfotos das Abstrakte ruinierten, meint Scally, stehe der Stoff für das, was man empfinde. Eben auch hier: 100 Prozent Gefühl.

Tourdaten: Köln (4.11.), Hamburg (14.11.), Berlin (16.11.) und München (17.11.).

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