Musik
Nicole Willis und der finnische Funk

Berlin (dpa) - Wenn die Musiker einer Soul-Band Seppo Salmi, Jukka Sarapää oder Lasse Tolvanen heißen, darf man davon ausgehen, dass dabei kein stromlinienförmiges US-Mainstream-Album herauskommt. Immerhin: Die Sängerin heißt Nicole Willis.

Samstag, 10.10.2015, 06:10 Uhr

Musik : Nicole Willis und der finnische Funk
Foto: dpa

Und sie ist tatsächlich Amerikanerin, vor knapp 52 Jahren in New York City geboren und seit einiger Zeit Frontfrau von Nicole Willis & The Soul Investigators. Ihr Ehepartner ist der finnische Pop-Paradiesvogel Jimi Tenor, der auch auf dem neuen Willis-Album «Happines In Every Style» (Timmion/Groove Attack) wieder Saxofon, Flöte und Vibrafon beisteuert. Neben neun anderen finnischen Musikern, die schon seit den 90er Jahren als The Soul Investigators in Sachen skandinavischer Funk unterwegs sind.

Nach so viel Vorgeschichte also endlich zur Musik: Klassischer Soul und Funk mit Psychedelic-Elementen (Wah-Wah-Gitarren, Orgel, viel wildes Gebläse) - als wäre dieser Sound direkt aus den späten 60er, frühen 70er Jahren herübergebeamt worden. Aus einer Zeit, in der Northern Soul, The Temptations, Isaac Hayes oder Sly & The Family Stone die Agenda in der Black-Music-Szene setzten.

Willis' Musik ist daher auch nicht auf Wohlklang ausgerichtet, der so viele Platten der Motown-Ära prägte, sie klingt im besten Sinne rau und dreckig. Das fängt schon bei den eher herben Vocals an - bei aller Stimmgewalt will Nicole Willis den Hörer nicht umgarnen. Auch die Grooves auf «Let's Communicate» oder «Together We Climb» sind eher kantig und setzen sich somit vom angesagten smoothen Vintage-Klang von Michael Kiwanuka, Joss Stone oder Adele ab. 

Eher orientieren sich Willis und ihre Mannen an Sharon Jones & The Dap Kings, Charles Bradley, Lee Fields oder Saun & Starr, also an der weniger gefälligen, dafür aber authentischeren Spielart des Retro-Souls. Wenn sie am Ende dieses dritten gemeinsamen Albums mit dem Bonus-Track «Hot Sauce» auch noch eine erotisch aufgeladene Funk-Jamsession im «Shaft»-Stil hinlegen, hat man jedenfalls längst vergessen, dass die Band aus Matinkylä im hohen Norden Europas stammt.

Konzerte: 1.12. Hamburg, Mojo Club; 5.12. Berlin, Lido 

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