Comeback der Schallplatte
Das gute alte Vinyl ist so beliebt wie lange nicht

Münster -

Comeback des Vinyls: Die Schallplatten-Verkäufe in Großbritannien sind auf den höchsten Stand der vergangenen 25 Jahre geklettert. Auch in Deutschland erlebt das schöne Knistern ein Revival.

Mittwoch, 04.01.2017, 15:55 Uhr aktualisiert: 04.01.2017, 16:31 Uhr
Vinyl mit Bild: Eine Spezial-Edition von David Bowies Schallplatte „Changes“.
Vinyl mit Bild: Eine Spezial-Edition von David Bowies Schallplatte „Changes“. Foto: dpa

Sie dreht sich, sie knistert – und sie boomt: die gute alte Schallplatte. Seit Jahren schon finden sich in den großen Elektronikmärkten – also nicht nur in Spezialgeschäften – die gut bestückten Regale, und zu Jahresbeginn kam von der Deutschen Presseagentur die Erfolgsmeldung zum Comeback des Vinyls : „Die Schallplatten-Verkäufe in Großbritannien sind auf den höchsten Stand der vergangenen 25 Jahre geklettert.

Das geht aus einem Bericht des Verbands der britischen Musikindustrie hervor ... Vinyl-Platten machten knapp fünf Prozent aller verkauften Alben aus. Demnach gingen 2016 insgesamt 3,3 Millionen Schallplatten über die Ladentische – dies entspricht einem Anstieg um 53 Prozent.“ Und in Deutschland sieht die Lage ähnlich aus

Rückblickend ist immer wieder von den „katastrophalen Einbrüchen in den 90ern“ die Rede: Damals wurden die ersten Platten-Sammlungen mit dem noch jungen Medium CD angelegt, freuten sich Musikhörer über das Abspielen ohne Nebengeräusche, über den Vorzug, die Scheibe nicht mehr umdrehen zu müssen, über gesparte Regalmeter.

Seelenlose CD

Nur eine kleine Gruppe audiophiler Freaks leistete Widerstand und hegte ihre über lange Zeit hinweg zusammengetragene Kollektion schwarzer Scheiben. Einige Fans sollen vorsichtshalber sogar Tonabnehmer und Diamantnadeln gehortet haben, weil deren Lebensdauer im Abspielvorgang dahinschmolz. In feinen Hifi-Geschäften wurden sie noch versorgt, während große Läden und Kaufhäuser alles verbannten, was nicht digital war.

Irgendwann aber, fast unmerklich, wendete sich das Blatt. Denn die alten Erkenntnisse der Vinyl-Freaks fielen auch bei Angehörigen der Generation digital auf fruchtbaren Boden: Ist nicht die kleine Silberscheibe ein seelenloses Ding, klingt nicht die alte Platte viel wärmer und mit ihren scheinbaren Nachteilen des dezenten Knisterns auch lebendiger?

Hat es nicht sogar etwas Kultiges, die große Platte noch aus einer Innenhülle zu ziehen und sie nach der Hälfte der Spielzeit zum Umdrehen abermals in die Hand zu nehmen? Überhaupt, die beiden Seiten der Platte: Was waren das für schöne Zeiten, als Popmusiker sich genau überlegten, wie Seite 1 enden und Seite 2 beginnen sollte, als Klassikproduzenten sich nicht gezwungen sahen, eine Scheibe mit Füllseln vollzustopfen! Von der Schönheit großer Cover und Begleithefte ganz zu schweigen.

Seit 2007 ununterbrochene Aufwärtskurve

Dass es den Trend zum alten Medium auch in Deutschland gibt, bestätigt Sigrid Herrenbrück vom Bundesverband Musikindustrie : „Innerhalb der ersten neun Monate 2016 sind bereits so viele Schallplatten verkauft worden wie im gesamten Jahr 2015.“ Insgesamt gingen demnach zwischen Januar und September 2,1 Millionen Vinyl-Alben über die Ladentheke, 50 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Die Schallplatte erlebe damit seit 2007 eine bisher ununterbrochene Aufwärtskurve, teilt der Verband mit und zitiert seinen Geschäftsführer Dr. Florian Drücke: „Angesichts der erneut hohen Verkaufszuwächse von rund 50 Prozent kann man sagen, dass es sich nicht mehr um eine reine und kleine Liebhaberecke handelt. Erfreulicherweise gibt es in der Branche nicht das Ausschlussprinzip, im Gegenteil: Parallel wächst das Streaming weiter, und die meisten Fans hören Musik auf mehreren Kanälen.“

Ein Beleg dafür ist die Tatsache, dass der Käufer einiger Vinyl-Scheiben zugleich einen Download-Code erhält: Das alte und das aktuelle Medium ergänzen einander – und lassen die einst so moderne CD alt aussehen. Streamen zum Musikhören in allen möglichen Lebenslagen, Schallplatte-Auflegen zum Genießen: Das scheint der Trend zu sein.

Ein Blick auf die Charts zeigt allerdings, dass Vinylkäufer kaum der jüngsten Generation angehören: Beim Versandhandel etwa finden sich neue Platten alter Herren wie der Rolling Stones oder der im vergangenen Jahr verstorbenen Giganten David Bowie und Leonard Cohen vorn. Vielen unter 30-Jährigen dürfte es egal sein, ob CDs oder Schallplatten in den Elektronikmärkten stehen, ob Player oder Plattenspieler verkauft werden: Sie sammeln nicht, sie streamen. Ob auch sie sich irgendwann einmal der Vinylschwärmerei ihrer Elterngenerationen hingeben werden?

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