Interview mit Chris Rea
Wie ein ausgedehnter Urlaub

Münster -

Chris Rea ist einer der Großen im Musikbusiness. Weltweit hat der Brite mehr als 30 Millionen Tonträger verkauft. Einer der bekanntesten Songs von ihm ist „Driving Home for Christmas“. Aber auch „Josephine“, „On the Beach“ und „Auberge“ sind dauerpräsent im Radio. 

Dienstag, 17.10.2017, 15:10 Uhr

Chris Rea ist mit seinem neuen Album „Road Songs for Lovers“ auf Tour.
Chris Rea ist mit seinem neuen Album „Road Songs for Lovers“ auf Tour. Foto: Andy Earl

Anfang des neuen Jahrtausends ist bei Rea Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert worden. Er musste sich einigen Operationen unterziehen und ging 2006 sogar auf Abschiedstour. Jetzt legt der 66-Jährige sein neues Album „Road Songs for Lovers“ vor und geht damit auf Europatour. Am 26. Oktober präsentiert er sein neues Werk live in Dortmund. Unser Redakteur Carsten Vogel hat mit Chris Rea gesprochen.

Sie haben mal gesagt, dass Ihre erste große Leidenschaft dem Journalismus galt. Wie informieren Sie sich aktuell?

Chris Rea: Definitiv, ja. Ich lese nach wie vor Zeitung.

Es wird viel über sogenannte „Fake News“ gesprochen. Sie waren 2008 Opfer falscher Behauptungen.

Rea: Das stimmt. Die waren völlig falsch. Ich habe nie die konservative Partei unterstützt. Manche Zeitungen ziehen eben eine gute Geschichte der Wahrheit vor.

Sind Sie eigentlich Befürworter des „Brexit“?

Rea: Nein, ich habe meine Meinung geändert und dagegen gestimmt. Das wird einfach viel zu teuer.

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Sie sind großer Fan der Formel 1. Was und wer fasziniert Sie eigentlich am meisten?

Rea: Manche Leute mögen Tennis, andere Golf. Ich schätze halt die Formel 1. Mich interessiert, wie es funktioniert, was an den Autos verändert wird. Am besten gefällt mir das Teamvon „Red Bull“. Die sind jung und scheinen Spaß zu haben. Vor allem der Australier Daniel Ricciardo. Er ist das absolute Gegenteil von Hamilton. Selbst wenn Hamilton einen Witz erzählt, wirkt er ernst.

Wenn man „Breaking Point“ von Ihrem neuen Album hört, stellt sich die Frage, ob Sie zu Gott gefunden haben.

Rea: Ich glaube schon, dass es irgend etwas in diesem Universum gibt. Mich hat immer fasziniert, was es vor dem Urknall gegeben hat und was überhaupt dazu geführt hat. Ich bin sehr offen für Ideen, und ich denke intensiv über diese Themen nach. So war ich immer schon.

Sprechen wir mal über Musik und über das Touren. Sie waren schwer krank und 2006 bereits auf Abschiedstour. Wie hat sich Ihr Leben verändert?

Rea: Komplett, zu 100 Prozent. Es gibt viele Dinge, die man nicht beachtet, bevor man krank wird. Heute habe ich aber keine Probleme mehr: Ich lebe intensiver, aber auch viel einfacher als früher.

Sie arbeiten immer noch sehr viel, oder?

Rea: Sie mögen es „Arbeit“ nennen, für mich ist es das nicht. Als ich in der Eiscremefabrik meines Vaters gearbeitet habe: Das war richtige Arbeit – zu heiß, zu kalt oder zu schwül. Und man roch nach der Arbeit. Jetzt bin ich dagegen auf einem ausgedehnten Urlaub (lacht).

„Road Songs for Loves“ klingt wie eine Art Best-of – nur mit neuen Liedern. Wie würden Sie Ihr neues Album beschreiben?

Rea: Ich habe mir das so vorgestellt, dass zwei Leute in ihrem jeweiligen Auto in einem Stau stecken. Und obwohl die beiden dicht zusammen stehen, sind sie in Wirklichkeit weit von einander entfernt. Das Auto ist das Universum, in dem wir sitzen und denken. Und jeder Song erzählt eine andere Geschichte dieser Leute in den Autos.

Würden Sie mir zustimmen, dass in den neuen Songs sehr viel Melancholie mitschwingt?

Rea: Das stimmt. Ich schreibe meine Songs ja nicht mehr als junger Mann. Und man wird nicht wirklich gerne alt.

Das spiegelt sich insbesondere in dem Song „Last Train“ wider.

Rea: Ja. Die Idee kam mir übrigens, als ich selbst mal in einem Stau stand. Wie schwer vorstellbar ist es, auf den letzten Zug aufzuspringen? Anders als in den älteren Songs bringt dieser Zug einen nicht nach Hause. Und ich habe mir vorgestellt, was bewegt jemanden überhaupt dazu, auf diesen Zug zu springen. Was muss passiert sein? Diese Fragen habe ich mir gestellt.

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Tickets für das Konzert in Dortmund (26. Oktober, 20 Uhr) gibt es hier zu bestellen.

Offizielle Website von Chris Rea

Ein Mann und seine Gitarren: Chris Rea gleitet wieder über Saiten

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Wie viele neue Songs können die Leute auf den anstehenden Konzerten erwarten.

Rea: Wir spielen natürlich einige neue Songs. Aber wir müssen natürlich auch die berühmteren spielen, denn sonst würde keiner kommen. Und ich respektiere das, weil diese Songs es mir überhaupt erst ermöglicht haben, ein Leben in und mit der Musik zu führen. Aber wir spielen diese Lieder anders, als sie auf den früheren Alben zu hören gewesen sind.

Ich bedanke mich für das Gespräch.

Rea: (Auf deutsch) Danke schön. Und Tschüss.

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