Mittelmeer hinterm Deich
Die nordfriesischen Underdogs: «Abruzzo» von Ove

Eigentlich hatten die Musiker von Ove Fernweh und wollten ihr neues Album in Abruzzen produzieren. Die Nordfriesen landeten dann aber doch hinterm Deich.

Dienstag, 26.02.2019, 10:15 Uhr
So hätt es sein können.
So hätt es sein können. Foto: Hegenberg/Insa Kühlcke-Schmoldt

Berlin (dpa) - Da, wo Ove herkommen, wird man morgens noch von Möwengekreisch wach. Dort ist Fahrradfahren bei Gegenwind fast eine olympische Disziplin. Der Bus fährt nur einmal am Tag - oder auch nicht. Zum Surfen trifft man sich eher am Strand als im Internet. Und über den Orten hinterm Deich hängt mitunter die Sehnsucht nach der großen weiten Welt.

Dahin müssen sich die fünf Musiker aus Nordfriesland wohl auch gesehnt haben. Denn das dritte Album der Band heißt «Abruzzo»(Tapete Records) - abgewandelt von Abruzzen, einer Region östlich von Rom, mit sanften Hügeln und sonnenstillen Buchten. «Wir wollten da wirklich unsere Songs aufnehmen, aber dann ist doch irgendwie das Leben dazwischengekommen», erzählt Sänger Ove Thomsen schmunzelnd im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur . «Wir sind zuhause geblieben.»

Kurzerhand holten sich Ove die Mittelmeerwärme ins Watt'n Studio, das gleich hinterm Deich liegt, in Emmelsbüll-Horsbüll. Dort lebt noch die Erinnerung an die Jahre, als die Nordfriesen-Jungs in der Talentscheune auftraten mit frisch gefärbten Haaren und Coversongs von Nirvana.

So sind es vertraute Geschichten, die die Band auf ihrem neuen Album erzählt - verspielt fröhlich, mitunter auch leicht melancholisch - aber alles in mediterranem Sound: Sie handeln von Freundschaft, von Konsum und Askese und vom Fernweh.

Da sind zum Beispiel die Aalverkäufer Annegret und Anders aus Amrum, die in Amerika neu anfangen wollen und dann doch zurückkehren, ohne ein Gefühl des Scheiterns. Die nächtliche Radtour wird im Song «Fahrrad in der Nacht» eine Hymne an die Freundschaft und «Zum Download bereit» ist ein Lied über Faszination und Kritik an der Digitalisierung. «Ich bin kein Zukunftsverweigerer, aber doch sehr skeptisch», sagt Ove, der erst seit diesem Jahr Besitzer eines Smartphones ist.

Für die neuen Songs hatte jeder der fünf Freunde seine musikalischen Wurzeln ausgegraben. Ove, bekennender Schlagerfan und Chorsänger, mag die Vielstimmigkeit in der Gruppe. Auf dem Album sind Falsett-Chöre im Background zu hören, eingebettet in Sixties-Referenzen. Sönke, der mit den 70er-Jahre-Hits seiner Eltern groß geworden ist, brachte den Folkrock mit. Und alle zusammen huldigen ihrer Liebe, den Beatles.

«Wir wollen eben nicht ewig die Rumpelfolkband sein mit Kleingeist. Wir wollen mehr», beschreibt Ove Thomsen die Arbeit der fünf Freunde an dem Album und fügt hinzu: «Das Schöne ist: Man schaut zwischendurch einfach aufs Meer, wenn man droht, die Relation zu verlieren».

Ab Ende März gehen Ove auf große Solo-Tournee. Los geht es in Norddeutschland - am 29.3. im Flensburger Volksbad.

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