Walk The Sky
Alter Bridge: «Es fühlt sich nach Trost und Frieden an»

Seit 15 Jahren sind Alter Bridge ein feste Größe in der Rock-Szene. Über ihr neues Album «Walk The Sky» haben Myles Kennedy und Mark Tremonti einiges zu erzählen.

Dienstag, 15.10.2019, 08:54 Uhr aktualisiert: 15.10.2019, 08:58 Uhr
«Walk The Sky» ist bereit das sechste Studioalbum von Alter Bridge.
«Walk The Sky» ist bereit das sechste Studioalbum von Alter Bridge. Foto: Dan Sturgess

Berlin (dpa) - Myles Kennedy und Mark Tremonti sind viel beschäftigte Musiker. Ihre Hauptband Alter Bridge musste wegen der diversen Nebenbeschäftigung des Duos aber noch nie leiden. Wie bei allen Studioalben zuvor ließen sich die US-Amerikaner auch für «Walk The Sky» drei Jahre lang Zeit.

Im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur geben die beiden Bandbosse darüber Auskunft, was das neue Werk mit Erleuchtung zu tun hat, wie Sänger Kennedy zu Klaus Meine von den Scorpions steht und warum Gitarrist Tremonti seine Vorliebe für Speed-Metal bei Alter Bridge nicht ausleben kann.

Frage: Was wollten Sie mit dem Titel «Walk The Sky» ausdrücken?

Antwort Myles Kennedy: In dem Song «Walk The Sky» geht es um die Leute, die auf einem Hochseil laufen, um über ihre Grenzen zu gehen. Das ist ein Aspekt. Der Titel funktioniert aber auch als eine Art Überthema, das auf Gefühle wie Freiheit und Trost aber auch Erleuchtung anspielt, die einem ein besseres Verständnis davon geben, wo sich mein Platz im Universum oder der Welt befindet. Der Plattentitel hat also eine doppelte Bedeutung.

Frage: Haben Sie eine persönliche Verbindung zu dem Titel?

Antwort Kennedy: Ich war niemals ein Seiltänzer (lacht) und hatte es auch niemals vor. Was den anderen Aspekt angeht: Ich habe den Punkt in meinem Leben erreicht, an dem ich ein besseres Verständnis davon habe, wo ich hingehöre, wie ich ein besseres Leben führen kann und welche von den ganzen Konzepten und Philosophien für mich am besten funktionieren.

Frage: Den Text zum Song «Goodspeed» haben Sie, Herr Tremonti geschrieben. Es geht darum um den Tod eines Freundes, richtig?

Antwort Mark Tremonti: Das stimmt. Mein Freund starb letztes Jahr an Krebs. Er hat fast zehn Jahre dagegen angekämpft. Er ist durch die Hölle gegangen mit all den ganzen Nebenwirkungen der Medikamente. Doch er ist immer stark geblieben und hat sich nicht aufgegeben. Er war eine großartige Person und eine enorme Inspiration für mich. Es ist so traurig, dass er nicht mehr da ist. Es gibt so viele Arschlöcher auf der Welt, die hundert Jahre alt werden. Die Wunderbaren sterben oft zu früh.

Frage: Herr Kennedy, Sie haben in der Vergangenheit einen Song über den Tod Ihres Vaters geschrieben. Sind für Sie beide die traurigen Momente im Leben eine größere Inspiration für Songs als die fröhlichen?

Antwort Kennedy: Es gibt uns schon ziemlich lange und wir sind in einem Alter, in dem wir genug Erfahrungen mit dem Verlust von nahestehenden Menschen gemacht haben. Wir haben mehrfach darüber Songs geschrieben. Doch das ist nicht alles. Der Tod und der Verlust ist Teil der menschlichen Existenz. Die echte Herausforderung besteht darin, über Dinge zu schreiben, die erbaulich sind. Besonders wenn du in einer Hardrockband spielst, sind die Texte oft von Themen wie Wut, Frustration oder Entfremdung gekennzeichnet. Ein Album über Frieden oder Erleuchtung zu schreiben, scheint mir in diesem Genre eine viel größere Herausforderung zu sein. Normalerweise würde dazu eher sanfte Musik passen. Doch die passt nicht zu uns.

Frage: Das Thema Erleuchtung hat etwas Religiöses. Herr Kennedy, Sie beschäftigen sich mit dem Buddhismus. Aufgewachsen sind Sie aber in einem christlichen Elternhaus.

Antwort Kennedy: Das ist richtig. Bis weit über 20 war ich der christlichen Doktrin sehr verbunden. Mit 30 habe ich aber langsam einen anderen spirituellen Weg für mich gefunden. Der hängt viel mit den fernöstlichen Philosophien zusammen. Diese Software passt besser zu meinem Betriebssystem. Es geht nicht um ein Leben nach dem Tod. Es geht um das Hier und Jetzt. Das erscheint mir in meinem kleinen Hirn logisch zu sein.

Frage: Herr Tremonti, sind Sie eine gläubige oder religiöse Person?

Antwort Tremonti: Myles ist viel religiöser als ich es bin. Meine Eltern haben mich nie mit in die Kirche genommen. Außer an Weihnachten oder Ostern. Die Kirche hat mir nie viel gegeben. Ich war mal mit einem Freund in einer Kirche, da war ein Prediger in ganz normalen Straßenklamotten. Der war sehr inspirierend. Wenn die Kirche immer so wäre, könnte ich mir schon eher vorstellen, da mal hinzugehen.

Frage: Herr Kennedy, Sie haben gesagt «Walk The Sky» ist der spirituelle Nachfolger vom Album «AB III». Was meinen Sie damit?

Antwort Kennedy: «AB III» hat sich textlich mit dem Kampf und der Suche nach der absolute Wahrheit beschäftigt. Ich habe mir damals viele Fragen gestellt. «Walk The Sky» ist sozusagen ein Nachfolger, weil es darum geht, etwas zu entdecken. «AB III» startet mit dem Song «Slip To The Void», der repräsentativ für das gesamte Album ist. Er erzeugt eine unheimliche Stimmung, so wie wenn du dich in der völligen Leere befindest. Das aktuelle Album startet mit «One Life», das eine ähnliche Funktion hat, sich allerdings sehr euphorisch anhört. Es fühlt sich nach Trost und Frieden an, nachdem jemand seine Erleuchtung gefunden hat. Sorry, wenn ich immer von Erleuchtung spreche. Das hört sich so nach Hippie-Herrlichkeit an. Mir fällt aber kein besseres Wort ein.

Frage: Wo sehen Sie die Unterschiede von «Walk The Sky» zu den Vorgänger-Alben?

Antwort Tremonti: Ich denke, dieses Album geht mehr direkt nach vorne. Es hat auch mehr positive Energie als einige vorherige Alben hatten. «Dying Light» und «Forever Falling» sind die beiden einzigen schleppenden Stücke auf der Platte. Wir haben jetzt nicht absichtlich kürzere, auf den Punkt gespielte Stücke geschrieben. Es hat sich einfach so ergeben. Der größte Unterschied zu früher ist der, wie wir das Album aufgenommen haben. Normalerweise schmeißen Myles und ich unsere Ideen zusammen und fragen den anderen, wie er diesen Part oder jenes Riff findet. Dieses Mal hatten wir nur eine sehr kurze Zeit im Aufnahmestudio zur Verfügung. Deswegen waren fast schon alle Songs fertig als wir ins Studio gegangen sind. Myles und ich haben unsere Parts auf Demos aufgenommen und den anderen vorgespielt.

Frage: Herr Tremonti, mit Ihrer Soloband spielen sie viel härteren Metal. Würden Sie gerne ein bisschen Speedmetal bei Alter Bridge unterbringen?

Antwort Tremonti: Das versuche ich seit über 20 Jahren, ich darf aber nicht (lacht). «The Four Horsemen» (von Metallica ) ist mein Lieblings-Speedmetal-Track. Das Lustige ist, dass Myles ein Riff und auch den Chorus, der dieses Galoppierende wie «The Four Horsemen» hat, zu dem neuen Song «In The Deep» beigetragen hat. Myles durfte das, da hat sich keiner beschwert (lacht).

Frage: Ärgert Sie das?

Antwort Tremonti: Oh nein, Speedmetal ist einfach nicht die Musik der anderen. Unser Drummer ist kein Blastbeat-Spieler. Auch unserer Bassist steht mehr auf einen ruhigeren Rhythmus, er mag den groovigen Kram. Das coole an Brain (Marshall, Bassist) ist, dass es niemand anderen gibt, der seine Basslinien spielen könnte. Er ist absolut einzigartig und dafür lieben wir ihn.

Frage: Mark Tremonti kommt aus der Speedmetal-Richtung. Herr Kennedy, wie sieht Ihr musikalischer Background aus?

Antwort Kennedy: Puh, ich bin durch viele verschiedene Phasen gegangen. Hardrockmusik habe ich durch Bands wie Van Halen und Metallica, Maiden oder Priest entdeckt. Mit 18 fand ich Fusion-Musik ziemlich gut. Später habe ich den Blues und R&B entdeckt.

Frage: Ihre Nebentätigkeit bei Guns N' Roses-Gitarrist Slash unterstreicht Ihre musikalische Vielfältigkeit. Müssen Sie sich da unterordnen?

Antwort Kennedy: Dort herrscht eine gänzlich andere Dynamik. Er ist der Songschreiber. Ich bin strikt für die Melodien und die Texte zuständig. Das ist super für mich. Der Arbeitsprozess zwischen Alter Bridge und meiner Rolle bei Slash ist total unterschiedlich. Slash hat aber auch ein offenes Ohr für mich, wenn ich einen Vorschlag habe oder mir etwas auffällt, was ich anders machen würde. Ich mag die Tatsache, dass er eine Ikone ist. Er überstrahlt alle, er ist ein Megastar. Es ist interessant zu beobachten, wie die anderen Leute auf ihn reagieren. Ich mag es in der zweiten Reihe zu stehen. Ich musste mich erst daran gewöhnen, dass ich bei Alter Bridge ganz vorne stehe. Daher genieße ich es, bei Slash der Frontmann zu sein, der im Hintergrund steht.

Frage: Sie beide sind mit ihren Nebenprojekten stark beschäftigt. Wie schaffen Sie es dennoch, regelmäßig alle drei Jahre ein Alter-Bridge-Album herauszubringen?

Antwort Tremonti: Was wir machen, empfinden wir gar nicht so sehr als Arbeit. Es macht uns unheimlichen Spaß. Ich spiele in jeder freien Minute Gitarre. Sogar wenn ich mich im Umkleideraum befinde, nehme ich die Gitarre zur Hand und komponiere Musik. Wir haben niemals einen Mangel an Material. Es ist sogar so, dass wir zu viel haben und darunter leiden, dass wir einiges aussortieren müssen. Auf der anderen Seite ist es gut, denn nur so ist es möglich, dass wir diese Extra-Projekte haben.

Frage: Wie sieht es mit Ihrem Privatleben aus. Können Sie das mit ihrem Beruf in Einklang bringen?

Antwort Tremonti: Ich habe zwei Jungs zu Hause. Zu denen habe ich eine sehr enge Beziehung. Wenn ich daheim bin, gibt es nur Fußball, Fußball, Fußball...

Frage: Oh, Ihre Kinder interessieren sich für Fußball. Das ist in den USA doch eher ungewöhnlich?

Antwort Tremonti: Sie spielen vier Mal die Woche in der Schule Fußball. Sie sind beide sehr gut. Wir spielen auch ständig in unserem Garten. Meine Jungs lieben Fußball. Ich spiele gegen meinen ältesten Sohn auch oft Basketball. Da muss ich mich aber mächtig anstrengen, dass er mich nicht besiegt. Außerdem spiele ich unheimlich gerne Pinball.

Antwort Kennedy: Ich stehe nicht so sehr auf Sport...(lacht).

Frage: Herr Kennedy, Ihre Stimme erinnert mich übrigens ein bisschen an Klaus Meine von den Scorpions...

Antwort Kennedy: Cool, das hat mir noch niemand gesagt. Ich bin mit den Scorpions aufgewachsen. Mein jüngerer Bruder besaß das «Blackout»-Album. Ich werde es nie vergessen, wie wir beide im Schlafzimmer zu «Dynamite» gebangt haben. Ich mag Klaus Meines Stimme. Er hat einen hohen, klaren Tenor.

Frage: Klaus Meine musste zur Zeit des «Blackout»-Albums um seine Stimme bangen. Die Ärzte sagten ihm, dass er vielleicht nie mehr singen können würde. Hatten Sie auch schon Probleme mit Ihrer Stimme?

Antwort Kennedy: Oh ja, bis vor ein paar Jahren litt ich unter chronischen Entzündungen im Hals, die mich beeinträchtigten. Ich sollte eigentlich alle meine Gesangslinien vor 2016 noch einmal aufnehmen. Zum Glück habe ich einen Doktor gefunden, der mir helfen konnte. Seitdem habe ich das Gefühl, ich habe ein neues Instrument.

Frage: Sie leiden auch an einem Tinitus, richtig?

Antwort Kennedy: Stimmt, den habe ich seit 20 Jahren. Ich habe dieses Klingeln in meinem Ohr. Doch mit der Zeit habe ich mich daran gewöhnt und gelernt, damit umzugehen. Ich muss nur aufpassen, dass es nicht noch schlimmer wird.

Tourdaten: 19.11. Hamburg - Sporthalle, 20.11. Berlin - Columbiahalle, 22.11. Leipzig - Hause Auensee, 26.11. Köln - Palladium, 27.11. München - Zenith

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7001686?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F197%2F201%2F1819525%2F
Auch im Münsterland werden Unternehmen tagtäglich attackiert
Die Cyberkriminalität nimmt deutlich zu – und sie betrifft auch kleine Mittelständler im Münsterland.
Nachrichten-Ticker