Kämpferische Schriftstellerin
Promi-Geburtstag vom 9. Dezember 2018: Gioconda Belli

Einst kämpfte Gioconda Belli als Sandinistin für ein demokratisches und freies Nicaragua - heute gehört die Schriftstellerin zu den bekanntesten Kritikerinnen der Regierung ihre Heimatlandes. Nun wird Belli 70 Jahre alt und gibt sich weiter kämpferisch.

Sonntag, 09.12.2018, 00:01 Uhr
«Nicaragua ist die Liebe meines Lebens» - Gioconda Belli wird 70.
«Nicaragua ist die Liebe meines Lebens» - Gioconda Belli wird 70. Foto: Cezaro De Luca

Mexiko-Stadt (dpa) - «Nicaragua ist die Liebe meines Lebens, ich habe eine symbiotische Beziehung zu diesem Land» - so fasste Gioconda Belli Ende November auf der Buchmesse im mexikanischen Guadalajara die Bedeutung ihres zentralamerikanischen Heimatlandes für ihr literarisches Schaffen zusammen.

Wie bei kaum einer anderen Autorin ist die jüngere Geschichte Nicaraguas so eng mit der eigenen Biografie verwoben, wie bei der Schriftstellerin, Lyrikerin und Aktivistin Belli. Auch deswegen gilt sie als eine der schärfsten Kritikerinnen ihres ehemaligen Weggefährten und aktuellen Präsidenten Nicaraguas, Daniel Ortega.

Als junge Frau schloss sich die 1948 in Managua geborene Belli der sandinistischen Befreiungsfront, der auch Ortega angehörte, gegen die Diktatur des Präsidenten Anastasio Somoza, an. Belli, damals junge Mutter aus gutem Hause, brach so mit dem traditionellen Rollenverständnis ihres katholisch geprägten Heimatlandes. Kurz darauf musste sie aus dem Land fliehen und wurde in Abwesenheit zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Erst nach dem Sieg der Revolution 1979 kehrte sie aus dem Exil in ihr Heimatland zurück und übernahm eine zentrale Rolle beim Aufbau eines neuen Nicaragua.

Parallel dazu entfaltete sich Bellis literarische Karriere. Auch hier brach sie radikal aus dem für Frauen vorgesehenen Raum aus. Mit 22 Jahren sorgte sie mit einem erotischen Gedichtband für Aufregung. Themen der sexuellen, aber auch der intellektuellen Selbstbestimmung prägen seitdem ihr Werk.

In ihrem international bekanntesten, biografisch geprägten Werk «Bewohnte Frau» (1988) erzählt sie die Geschichte einer Widerstandskämpferin, die sich nicht nur gegen die Diktatur, sondern auch gegen eine männliche geprägte Umgebung behaupten muss. Das Buch wurde ein Bestseller, der sich auch in deutscher Sprache mehr als eine Million Mal verkaufte. Auch in ihren Folgeromanen wie «Tochter des Vulkans» (1990), «Waslala» (1996) und «Das Manuskript der Verführung» (2006) sind die Themen soziale Gerechtigkeit und die Rechte der Frau zentral.

Politisch trennte sich Belli bereits Anfang der 90er Jahre von der sandinistischen Bewegung. Seitdem ist sie zu einer der lautesten Kritikerinnen des jetzigen Präsidenten Daniel Ortega und seiner Frau Rosario Murillo geworden. Im November 2018 wurde Belli mit dem Hermann-Kesten-Preis des deutschen PEN-Zentrums ausgezeichnet. Die Jury würdigte sie als eine der bedeutendsten lateinamerikanischen Schriftstellerinnen und als «beeindruckende Persönlichkeit, die sich seit Jahrzehnten für die Rechte der Frauen und für soziale Gerechtigkeit einsetzt».

Bei der Vorstellung ihres neuen Romans «Las fiebres de la memoria» (etwa: Das Fieber der Erinnerung) in Guadalajara klagte sie den Autoritarismus und die Menschenrechtsverletzungen unter der aktuellen Regierung an. «Daniel Ortega hat sich an der Macht verewigt, es ist ein fast monarchischer Staat, in dem nur er und seine Frau bestimmen.» Auf die Frage, was sie in Zukunft an literarischen Projekten plane, sagte Belli: «Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Im Moment möchte ich nur, dass Nicaragua frei und demokratisch ist.»

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