Pleiten, Pech und Pannen
Boris Becker und sein Schreckensjahr 2018

Was für ein Jahr: Erst nahm Boris Beckers Insolvenzverfahren kein Ende. Dann wütete zwischen ihm und Ehefrau Lilly ein Rosenkrieg. Und zu guter Letzt brach ein transkontinentaler Streit über seinen angeblichen Diplomatenstatus aus. Wird 2019 für Becker besser?

Sonntag, 30.12.2018, 12:51 Uhr aktualisiert: 30.12.2018, 12:56 Uhr
Boris Becker und seine Noch-Ehefrau Lilly werden getrennte Wege gehen.
Boris Becker und seine Noch-Ehefrau Lilly werden getrennte Wege gehen. Foto: Rolf Vennenbernd

London/Bangui (dpa) - Ein Insolvenzverfahren, Trennung, öffentlicher Spott: Dem ehemaligen Tennisprofi Boris Becker ist im vergangenen Jahr nichts erspart geblieben.

Das Jahr 2018 hätte für Boris eigentlich die Rückkehr zur Normalität bringen sollen, nachdem ein Gericht in London den ehemaligen Wimbledon-Sieger für zahlungsunfähig erklärt hatte. Im Juni sollte sein Insolvenzjahr enden. Doch das Verfahren zog sich hin. Die Insolvenzverwalter zeigten sich unzufrieden, dass Becker angeblich einen Teil seiner Trophäen aus seiner schillernden Tenniskarriere nicht finden konnte. Inzwischen sagt Beckers Berliner Anwalt Christian-Oliver Moser, das ehemalige Tennis-Ass kooperiere uneingeschränkt.

Becker fühlte sich gedemütigt, als Dutzende Erinnerungsstücke - neben Trophäen und einem Bambi auch Socken des ehemaligen Tennis-Asses - bei einer Onlineversteigerung zum Kauf angeboten wurden. In letzter Minute konnte er die Auktion auf Eis legen lassen. Wird er im neuen Jahr über sich ergehen lassen müssen, dass seine Sachen unter den Hammer kommen?

Der wohl überraschendste Zug war aber die Ankündigung, er sei als «Diplomat» nicht mehr zu belangen. Als Attaché für Sport, Kultur und humanitäre Angelegenheiten der Zentralafrikanischen Republik genieße er Immunität gegen die «Farce», die über ihn gebracht worden sei, behauptete Becker in einer Motteilung. «Es ist richtig, dass mein Diplomatenstatus einige Privilegien beinhaltet, zum Beispiel Immunität bei besonderen Fällen», sagte er in einem Interview. Er fühle sich «sehr geehrt für diese verantwortungsvolle Aufgabe». Mit seiner prekären Situation habe die neue Aufgabe aber «natürlich nichts» zu tun, sagte Becker.

Doch Zweifel daran waren groß. Dass sich Becker ausgerechnet die Zentralafrikanische Republik einfach so ausgesucht hatte, um mit seinem Know-How und seinen Kontakte in der Tenniswelt zu helfen, schien fragwürdig. Das Land ist eines der ärmsten der Welt. Jeder vierte Bürger ist auf der Flucht, jeder zweite auf humanitäre Hilfe angewiesen. Ein 2013 ausgebrochener Bürgerkrieg lässt das Land nicht zur Ruhe kommen. Und mit Deutschland hat es kaum politische und wirtschaftliche Beziehungen.

Beckers Berufung auf diplomatische Immunität löste in dem zentralafrikanischen Staat ein helles Durcheinander aus. Boris Becker, Diplomat? Zentralafrikas Botschafter in Brüssel, Daniel Emery Dede, stärkte Becker den Rücken und erklärte, er sei vom Präsidenten in den diplomatischen Dienst berufen worden. Doch in der Hauptstadt Bangui wurde ihm widersprochen: Becker habe eine «inoffizielle Position» für das Land, ein «offizieller Diplomat» sei er aber nicht, sagte Außenminister Charles-Armel Doubane in einem Interview. Und Sportminister Sylvain Ngarso wusste erst gar nichts über Beckers angebliche Rolle als Attaché für Sport und Kultur.

Es folgte ein fast absurdes Tauziehen über den angeblichen Diplomatenpass des Tennis-Stars. Es handele sich bei Beckers Diplomatendokument um einen «gefälschten Pass», sagte der Stabschef von Zentralafrikas Außenminister, Chérubin Moroubama. Er habe den Pass vom Botschafter bekommen und es habe eine offizielle Amtseinführung gegeben, konterte Becker.

Dann kam die Kehrtwende: Anfang Dezember verlängerte ein Gericht Beckers Insolvenzstatus auf unbestimmte Zeit. «Becker war niemals ordnungsgemäß zu dem Gerichtstermin geladen worden», sagte sein Anwalt Moser dazu. Außerdem sei schon länger bekannt, dass sich der 51-Jährige nicht mehr auf den Diplomatenstatus berufe. Es habe um diesen Punkt einfach zu viel Ärger gegeben.

Auch in der Zentralafrikanischen Republik ist es vorerst um die Diplomaten-Affäre ruhig geworden: Zuletzt sagte ein Regierungssprecher, eine Untersuchung sei innerhalb der Regierung eingeleitet worden, um die Verantwortlichkeiten in dem Fall zu bestimmen. Die Ergebnisse davon würden zu gegebener Zeit mitgeteilt.

Zu der ganzen Misere um seine finanziellen Verhältnisse kam nach neun Ehejahren auch noch die Trennung von seiner Frau Lilly und ein Rosenkrieg um die Scheidung. Becker wäre nicht Becker, wenn er nicht öffentlich über pikante Details plaudern würde. Berichte, die Polizei habe einen Streit in der Becker-Villa in London schlichten müssen, kommentierte er mit dem Satz: «Wie Sie alle wissen, habe ich eine sehr temperamentvolle Frau, die kann schon mal lauter werden.» Auch seine Noch-Ehefrau Lilly packte aus: «Der Schmerz ist groß, und es tut unglaublich weh» erzählte sie dem «Stern».

Dann bei einer Anhörung am Familiengericht in London einigten sie sich doch noch darauf, im Frieden auseinanderzugehen: «Beide Seiten haben sich einvernehmlich darauf verständigt, sich scheiden zu lassen», erläuterte Anwalt Moser der Deutschen Presse-Agentur.

Trotz aller Schwierigkeiten blickt Becker in einem «Bunte»-Interview nicht mit Groll zurück. «Ich finde nicht, dass wir gescheitert sind», sagte er der Zeitschrift. Er habe zehn Jahre mit seiner ersten Frau Barbara und 13 Jahre mit Lilly zusammengelebt. «Das muss man erst mal schaffen», so der 51-Jährige.

Ob das kommende Jahr wieder bessere Zeiten für «Bobbele», vielleicht sogar eine neue Liebe bringen wird? Ganz auszuschließen wäre es nicht. «Ich will nicht sagen, dass ich das Thema abgehakt habe, aber momentan habe ich echt andere Sorgen. Ich muss mich um meine Familie kümmern. Ich habe ein Verfahren laufen. Da bleibt die Liebe auf der Strecke. Aber irgendwann habe ich auch wieder Zeit, mich um mich zu kümmern», sagte er im Sommer.

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