Der Mann hinter Gauck
Kirchendiplomat David Gill soll Staatssekretär und damit die rechte Hand des Bundespräsidenten werden

Berlin -

Der Bundespräsident ist mehr als nur eine Person. Dahinter steht noch ein Amt und an der Spitze ein Staatssekretär. Wenn Joachim Gauck in Kürze die Nachfolge von Christian Wulff antritt, dreht sich auch das Personalkarussell auf den darunter liegenden Ebenen. Und auch das sind keine unwichtigen Verschiebungen in der politischen Tektonik der Hauptstadt. Der Staatssekretär im Bundespräsidialamt ist der höchste Beamte des Staates – und zugleich einer der am wenigsten bekannten Posten im Berliner Staatsapparat. David Gill, Kirchendiplomat und Vertrauter von Gauck, soll diese Stelle unter dem neuen Bundespräsidenten einnehmen.

Donnerstag, 01.03.2012, 07:03 Uhr

Der Mann hinter Gauck : Kirchendiplomat David Gill soll Staatssekretär und damit die rechte Hand des Bundespräsidenten werden
David Gill wird Joachim Gauck als Staatssekretär unterstützen. Foto: dpa

Gill wäre mit seinen 45 Jahren in der Staatssekretärsriege der Jüngste – und gleichsam wie sein Chef – mit einer sehr ungewöhnlichen Karriere dazu. Das Besondere: Er darf an den Kabinettssitzungen im Kanzleramt teilnehmen, ohne der Regierung anzugehören. Gill ist protestantisches Pfarrerskind, wie so viele, die sich am Ende der DDR aufmachten, das Land zu verändern. Insofern weist sein Lebenslauf auch gewisse Ähnlichkeiten mit dem von Bundeskanzlerin Angela Merkel auf.

Gill selbst begann 1988 ein Theologiestudium am sogenannten Sprachenkonvikt. Er hatte im Elternhaus die Einschränkungen, die das Christsein unter dem SED-Regime mit sich brachte, kennengelernt, aber auch erkannt, welcher geistige Freiraum sich in der Kirche bot. Das Sprachenkonvikt in Ostberlin war in den letzten Monaten der Diktatur zu einer Keimzelle der Bürgerrechtsbewegung geworden. Das prägte Gill. Er brach sein Studium ab und engagierte sich politisch, wurde Vorsitzender des Bürgerkomitees zur Auflösung der Stasizentrale.

1990 berief ihn die demokratisch gewählte Volkskammer zum „Parlamentssekretär“ in dieser Angelegenheit. Als der frühere Leiter der Rostocker Friedensgebete, Gauck, zum Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen wurde, folgte ihm Gill und wurde sein erster Pressesprecher. 1992 verlässt Gill die Gauck-Behörde und nimmt wieder ein Studium auf, diesmal nicht der Theologie, sondern der Rechtswissenschaft, das er mit zwei Staatsexamen abschließt. Möglicherweise wird ihm dadurch, im Unterschied zu anderen Bürgerrechtlern, der ganz spezifische „Marsch durch die Institutionen“ besser möglich.

Joachim Gauck

Nach dem Studium mit Aufenthalten in den USA geht er in den kirchlichen Dienst. Er wird stellvertretender Bevollmächtigter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) bei der Bundesregierung und als solcher ein einflussreicher wie geschätzter Lobbyist der Kirche in der Hauptstadt. Zum anderen pflegt er auch gute Kontakte zur katholischen Kirche. Im Haus der Deutschen Bischofskonferenz wird Gill Gaucks Büro bis zu dessen Wahl leiten. „Ein gutes Zeichen“, sagt er.

Gill war wie Gauck nie Politiker, auch wenn er SPD-Mitglied ist. Dennoch war er eben nie nur Beamter, sondern hatte durch sein Engagement 1990 ein anderes, unabhängiges Ansehen. Im vergangenen Jahr hatte die SPD Gill als Nachfolger für Marianne Birthler und Nach-Nachfolger von Gauck in der Leitung der Stasi-Behörde vorgeschlagen. Die CDU verhinderte dies. Insofern ist auch der neue zweite Mann im Bundespräsidialamt kein geborener Freund der Regierung. Doch wie es seine Art ist, wird er das zu bearbeiten wissen.

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