Bilanz nach zehn Jahren
Der Bologna-Check

Der Bologna-Prozess hat das Studium an den Hochschulen gründlich verändert. Doch gemessen an den Zielen bleibt für alle Beteiligten noch viel zu tun.

Mittwoch, 15.08.2012, 09:08 Uhr

Bilanz nach zehn Jahren : Der Bologna-Check
Bachlelor-Studenten haben nicht nur mit üverfüllten Hörsälen zu kämpfen Foto: dpa

Studium im Ausland: Ja, aber spät

Die „Bologna-Erklärung“ sieht vor, die internationale Mobilität von Studierenden zu steigern. Europaweit sind die Deutschen dabei Spitze. 2009 studierten 115 500 junge Deutsche an Hochschulen im Ausland – mehr als doppelt so viele wie noch vor zehn Jahren. Allerdings geht der Trend dahin, erst nach dem Bachelorabschluss einen Auslandsaufenthalt zu verwirklichen.

Das Deutsche Studentenwerk sieht das kritisch: „Ein Auslandsstudium sollte ursprünglich ein konstitutives Element des Bachelors sein.“ Die Sorge um die Finanzierung von Studium, Praktikum oder Sprachkurs im Ausland oder um Zeitverlust im Studium bremsten weiterhin viele Studenten bei ihren Plänen aus.

Kürzere Studienzeit - viel Stress

Der Bachelor ( BA ) dauert nur sechs Semester – er sollte in kürzerer Zeit ermöglichen, unkompliziert einen ersten Studienabschluss zu erreichen. Die Realität sieht anders aus:  Über 75 Prozent der BA-Absolventen wollen im Anschluss den Master machen und bleiben  länger an den Hochschulen als von den Planern gedacht.

Vor drei Jahren gingen Zehntausende auf die Straße, um gegen überfüllte Hörsäle, Stofffülle in den sechssemestrigen BA-Studiengängen und zu hohe Prüfungsdichte zu protestieren. Kultusministerkonferenz und Hochschulen reagierten und milderten die strengen Vorgaben ab. Viele Studenten klagen zudem über Stress. Die Nachfrage der Studierenden nach Beratung ist kräftig gestiegen.

Zahl der Abbrecher bleibt hoch

Kritik wird weiter an der hohen Quote der Studienabbrecher laut. Fast ein Drittel (28 Prozent) der Bachelor-Studenten gibt vorzeitig auf. Mehr Flexibilität im Studienablauf und vor allem mehr Betreuung durch die Lehrenden fordert der Vorstand des freien Zusammenschlusses von StudentInnenschaften (fzs), Erik Marquardt .

Die straffen Studienpläne führten dazu, dass die Studenten sich weniger auf die Sache als auf Prüfungen konzentrierten. Bildungsministerin Schavan betont, dass sich  die Abbrecherquote an den Fachhochschulen bereits von 39 auf 19 Prozent halbiert hat. Ein Schlüssel für weitere Verbesserungen sei die Reform der Lehrpläne.

Wirtschaft nimmt den "Bachelor" an

Die Wirtschaft lobt die Studienreform: „Der Bachelor hat sich allen Unkenrufen zum Trotz geräuschlos und gut auf dem Arbeitsmarkt etabliert“, erklärt die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. Deutschland hat mit 7,9 Prozent mit Abstand die niedrigste Jugendarbeitslosigkeit in der Europäischen Union.  Von den Bachelor-Absolventen der Universitäten seien nur zwei Prozent arbeitslos, bei den Fachhochschulen drei Prozent.

Doch es gibt auch Kritik: Der Präsident der Hochschulrektoren, Hippler, rügte  das Ziel der Reform, Studenten immer schneller zum Abschluss zu führen: „Die Unternehmen brauchen Persönlichkeiten, nicht nur Absolventen.“ Der „Jugendwahn“ sei an dieser Stelle vorbei.<autorartikelende/>

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