Geheimbund
Die Freimaurer werden 275 - Diskret oder geheimnisvoll?

In diesen Tagen feiern die Freimaurer in Deutschland ihren 275. Geburtstag. Seit der Gründung der ersten Loge in Hamburg ist die Bruderschaft von Verschwörungstheorien umrankt. Der heutige oberste deutsche Freimaurer will den Bund jetzt zur Gesellschaft hin öffnen.

Freitag, 21.09.2012, 10:09 Uhr

Freimaurer-Ring
Rüdiger Templin, Großmeister der Vereinigten Großlogen, trägt am kleinen Finger einen Ring des Scottischen Ritus im 33. und letzten Grad sowie einen Freimaurer-Ring voller typischer Symbole. Foto: Marcus Brandt (dpa)

Freimaurer - bis heute umweht das Wort ein Hauch des Geheimnisvollen. Goethe gehörte ihnen an, Schiller war Mitglied, Mozart ist wohl weltweit der berühmteste von ihnen. Selbst einige seiner Werke, wie beispielsweise die „Zauberflöte“, sind angeblich von ihrem Gedankengut beeinflusst. In diesen Tagen feiert die Freimaurerei in Deutschland ihren 275. Geburtstag. Am 6. Dezember 1737 gründete sich die erste deutsche Freimaurerloge „Absalom zu den drei Nesseln“ in Hamburg . Doch auch an dem Geheimbund ist die Zeit nicht spurlos vorbeigegangen.

„Wir werden gefragt und gehört. Das ist absolut neu in der Geschichte der Freimaurerei“, sagt der oberste deutsche Freimaurer, Rüdiger Templin . Als Beispiel führt der Mediziner aus Rostock an, er sei zweimal zu Gesprächen mit den Vorsitzenden von EU-Kommission , Europarat und EU-Parlament eingeladen worden, um zu besonderen ethischen Fragen Stellung zu beziehen.

Rüdiger Templin, Großmeister der Vereinigten Großlogen, steht in Hamburg vor der Hauptkirche Sankt Michaelis

Rüdiger Templin, Großmeister der Vereinigten Großlogen, möchte die Freimaurer stärker in die Öffentlichkeit bringen.

Geheimnisvoller Männerbund

Der Ursprung der Freimaurer liegt in den „freien Maurern“, den frei geborenen Steinmetzen, die im Mittelalter Dome bauten. Während der oft jahrzehntelangen Bauzeit wohnten die Männer in Hütten, den „Logen“, zusammen. Dort entwickelten sie Regeln für das gemeinsame Leben und bewahrten die Geheimnisse ihrer Baukunst. Freimaurer müssen sich mit Passworten oder bestimmten Griffen ausweisen. Früher versuchte man damit, die Berufsgeheimnisse zu schützen. Symbole der Bruderschaft sind unter anderem Winkelmaß und Zirkel. Zu den Freimaurern zählten Mozart, Lessing, Goethe, Schiller, Voltaire, Mark Twain, George Washington, Henry Ford, Louis Armstrong, John Wayne und Charlie Chaplin.In der Zeit des Nazi-Regimes wurden die Freimaurer verfolgt. Die Nationalsozialisten verbreiteten Propaganda über eine angebliche Weltverschwörung der Freimaurer und verboten die Logen 1934. Auch in der DDR durfte sich der Bund nicht zusammenfinden.

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„Wir haben dort keine Erklärung abgegeben, die die Politik mit erhobenem Zeigefinger aktiv beeinflussen soll“, betonte der Großmeister der Vereinigten Großlogen von Deutschland. Er habe aber die Meinung der Freimaurer in Fragen wie dem Kampf gegen die Armut oder Verbesserung des Umganges mit Migranten kundgetan.

Das war nicht immer so. In der Vergangenheit trat die Bruderschaft nur selten in der Öffentlichkeit auf. Aufgrund ihrer Verschwiegenheit rankten sich zahlreiche Verschwörungstheorien um sie. Das soll sich jetzt ändern. Er habe den Leitsatz „Öffnung zur Gesellschaft“ ausgegeben, um manchem Dünkel entgegenzuwirken, sagt Templin.

Seit dem 15. September läuft im Hamburger Rathaus eine Ausstellung unter dem Titel „275 Jahre Freimaurer in Hamburg“. Vom 28. bis 30. September werden dann rund 1500 Freimaurer aus aller Welt zu einem großen Fest erwartet. Höhepunkt soll die Uraufführung einer Symphonie der Komponistin Gloria Bruni zur Ringparabel aus Lessings „Nathan der Weise“ werden.

„Es wird das größte Ereignis, das wir je in Deutschland hatten“, sagt Großmeister Templin. Auch Unterstützung von außen gibt es: „Ich bin kein Freimaurer, aber in der Haltung finde ich vieles interessant und bemerkenswert“, sagte der Schirmherr des Jubiläums, Hamburgs Ex-Bürgermeister Ole von Beust (CDU), bei der Vorstellung des Programms.

Für den Autor eines Buchs über die Freimaurer, den evangelischen Theologen Matthias Pöhlmann, gibt es für die Öffnung noch einen anderen Grund. Die Freimaurer heute hätten große Nachwuchssorgen, sagt er. Die Zahl der Mitglieder weltweit sei rückläufig. Das Durchschnittsalter liege momentan bei 65 Jahren.

Laut Templin sind in Deutschland knapp 15 000 Männer in sogenannten Logen organisiert. Es gibt auch Frauenlogen, deren Dachverband mit 400 Freimaurerinnen existiert allerdings erst seit 1982.

Die weltweit erste Großloge wurde 1717 in London gegründet. Die Zeremonien gehen auf mittelalterliche Bruderschaften von Steinmetzen zurück. Heute gibt es weltweit rund vier Millionen Freimaurer. Zum Ritual in ihren Versammlungsräumen, den sogenannten Tempeln, tragen die Männer einen schwarzen Smoking, einen Zylinder, weiße Handschuhe, einen Maurer-Schurz in Weiß und das Emblem der Loge. Streng geheim sind ihre Erkennungszeichen: ein Wort, ein Griff, ein Zeichen.

„Wir sind eine diskrete Organisation“, sagt Templin. „Und diese Vertrauenswürdigkeit ist auch eine Grundlage unseres Umgangs miteinander.“

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