Noch ist Frieden ein Fremdwort
In Afghanistan beginnt die Stunde der zivilen Helfer

Kundus -

Was wird aus Afghanistan, wenn sich die Internationale Schutztruppe (Isaf) 2014 zurückzieht? Egal, wen man in diesen Tagen im Land danach fragt. Immer enden auch die Antworten mit ei­nem Fragezeichen. Frieden ist am Hindukusch nach wie vor ein Fremdwort.

Freitag, 16.11.2012, 16:11 Uhr

Noch ist Frieden ein Fremdwort : In Afghanistan beginnt die Stunde der zivilen Helfer
Small Talk in Kandabad: Der kleine Junge hat sich beim Drachensteigenlassen den Arm gebrochen. Oberst Ulrich Spannuth (r.) erkundigt sich mit Hilfe seines Sprachmittlers, wie es ihm geht. Foto: Elmar Ries

An diesem Tag hat sich Oberst Ulrich Spannuth auf den Weg zu den District-Managern genannten Verwaltungsbeamten in der Provinz Kundus gemacht. Spannuth, Kommandeur von 1200 Soldaten im zivil-militärischen Aufbauteam (PRT) in Kundus, will den mittleren Verwaltungschefs klarmachen, dass das Isaf-Engagement endlich ist. „Mir ist aber auch wichtig, ihnen die Sorge zu nehmen, dass die Weltgemeinschaft Afghanistan in zwei Jahren sich selbst überlässt.“

Die Wege sind staubig, der Tag wird lang. Am Ende wird deutlich: Ein Soldat ist oftmals mehr ein Diplomat. Und: Viele Menschen im Land sind des Krieges und der Übergriffe, der allgegenwärtigen Gewalt und der systemzerfressenden Korruption müde. „Wir wollen unser Land friedlich entwickeln“, sagt Mohammad Omar , einer der Ältesten, mit denen der aus Münster stammende Oberst spricht. Wo aber mit dem Wiederaufbau anfangen, in einem Land, das 30 Jahre lang nichts anderes kannte als Krieg und Bürgerkrieg?

Künftig mehr Frieden oder eher wieder Krieg? Spannuth hofft auf Ersteres. Auch wenn er weiß, dass das Weg dorthin noch lang ist – und so beschwerlich wie die Pisten, über die er gerade mit seinem Konvoi gefahren ist. Längst haben sich die Na­to-Staaten von der Illusion einer Demokratisierung des Landes verabschiedet. Der Schalter steht auf Rückzug.

Die Folgemission, die – so wird gemunkelt – bis 2024 laufen soll, bekommt einen zivilen Anstrich. Als Vorbote dessen hat gestern das Auswärtige Amt die Führung über das PRT in Kundus übernommen. „Wir als Militär treten in die zweite Reihe zurück“, sagt ein Bundeswehr-Sprecher. Auch darum war zuvor Spannuth unterwegs. Als Wegbereiter und Brückenbauer.

Wie aber kann sie denn aussehen, die Zukunft Afghanistans? Jenseits aller diplomatischen Floskeln und weit verbreiteten Polit-Sprech-Euphemismen ist die Sichtweise relativ einhellig. Die Nato-Staaten jedenfalls gehen davon aus, dass die radikal-islamischen Taliban, deretwegen 2001 unter anderem der Krieg begonnen wurde, erstarken und auf dem Land die Macht wiedererlangen werden. „In den Zentren wie Kabul oder Mazar-e-Sharif wird das aber anders sein“, sagt ein hoher Bundeswehr-Vertreter. Dort wächst die Wirtschaft, es gibt wieder Arbeit. Beides, sagen Spannuth und die District-Manager unisono, seien unabdingbare Voraussetzungen für ei­ne friedliche Zukunft.

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