Elbphilharmonie in Hamburg
Schön gedacht und noch immer unvollendet

Hamburg -

Hamburg hat es doch eigentlich gut. Denn Hamburg besitzt ein schmuckes und traditionsreiches Konzerthaus, schön anzusehen und akustisch ordentlich: die Laeisz­halle.

Freitag, 11.01.2013, 08:01 Uhr

So soll er aussehen, der große Konzertsaal als Herzstück der Elbphilharmonie. Er wird 2150 Zuhörern rund um die Bühne Platz bieten, der Klang soll von einem Deckenreflektor gleichmäßig im Raum verteilt werden.
So soll er aussehen, der große Konzertsaal als Herzstück der Elbphilharmonie. Er wird 2150 Zuhörern rund um die Bühne Platz bieten, der Klang soll von einem Deckenreflektor gleichmäßig im Raum verteilt werden. Foto: dpa

Aber Hamburg will mehr, will den eigenen feinen Orchestern wie seinen Philharmonikern und dem NDR-Orchester sowie den reisenden Musik-Superstars ein repräsentatives Ambiente bieten und zugleich ein architektonisches und städtebauliches Signal setzen. Kein Wunder also, dass die Elb-Metropole sich im Jahr 2005 für eine Elbphilharmonie entschieden hat. Seit 2007 wird gebaut, im Jahr 2010 war Richtfest. Doch da hatten längst jene Probleme begonnen, die dazu führten, das mittlerweile von einer Eröffnung im Jahr 2017 gesprochen wird – sieben Jahre später als vorgesehen.

Denn so kühn das Konzept, so schwierig seine Umsetzung. Die Stadt des gewaltigen Hafens und der historischen Speicherstadt, die sich seit Jahren neuen Wohn- und Lebensraum in ihrer „HafenCity“ erschafft, ließ sich ein Gebäude entwerfen, das auf den Backstein-Korpus eines historischen Kaispeichers aufgesattelt wird. Konzertsäle, aber auch Wohnungen und ein Hotel sind dort eingeplant, ein Parkhaus entsteht im Speicher, und die monumentale Architektur erinnert je nach Blickwinkel an einen kristallinen Felsen oder den Bug eines gewaltigen Schiffs.

Das Beste aber am neuen Gebäude für all jene, die klassischen oder sonstigen Konzerten eher distanziert gegenüberstehen: Direkt oberhalb der Speichermauern, dort wo der Neubau ansetzt, gibt es die so genannte Plaza – eine zentrale Plattform in 37 Metern Höhe, die frei zugänglich sein wird und den Besuchern einen luftigen Rundgang um das Gebäude und dabei imposante Blicke auf die Stadt und ihren Hafen ermöglicht.

Das alles hätte es bereits im Jahr 2010 geben sollen. Doch Anfang 2013 kann man noch nichts von alledem genießen, die Elbphilharmonie ist nach wie vor eine der größten Baustellen der Republik. Und diese Zeitverzögerung ist nicht einmal das Hauptärgernis: In den vielen Monaten und Jahren sind auch die Kosten aus dem Ruder gelaufen. 77 Millionen Euro waren ursprünglich veranschlagt, heute ist von mehr als einer halben Milliarde die Rede. Und immer wieder gibt es neue Hiobsbotschaften: Kaum stand ein Pauschalpreis von 575 Millionen Euro fest, kam die Nachricht von der nicht eingerechneten Umsatzsteuer auf: Damit waren es dann mehr als 600 Millionen.

Die Gründe für die Bauverzögerungen lassen sich relativ klar am Gerangel zwischen dem Auftraggeber Hamburg und der ausführenden Firma Hochtief festmachen. So ging es lange Zeit um die Frage, ob die Statik für die komplizierte, 2000 Tonnen schwere Dachkonstruktion ausreiche. Problematischer indes erscheint, dass Fachleute den Politikern vorwerfen, die Bevölkerung (bewusst?) im Unklaren über die Kosten gelassen zu haben: Immerhin habe der einstige CDU-Bürgermeister Ole von Beust den Bürgern schon die 77 Millionen Euro mit dem Hinweis auf Mäzene schmackhaft machen müssen.

Dass es nach dem Absenken des Daches zum Weiterbau kommt, ist die gute Nachricht bei der Elbphilharmonie. Natürlich weiß niemand, was bis 2017 noch passieren kann. Aber alle, die Hamburgs teuerste Baustelle mit Schutzhelm und Stiefeln besichtigt haben, sind sich einig: Wenn der Bau tatsächlich einmal fertig sein sollte – dann ist er spektakulär.

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