Flughafen in Berlin
Selbst die Bäume wurden falsch gepflanzt

Berlin -

Nebel und Nieselregen trüben den Blick auf das graue Terminal des Hauptstadt-Airports. Das Wetter passt zur Stimmung: Genauso undurchsichtig und trüb sind die Aussichten für den inzwischen viermal verschobenen Start des Pannen-Flughafens. Hier stört erstmal kein Passagier die Idylle.

Freitag, 11.01.2013, 08:01 Uhr

Die Schilder in Richtung Terminal sind bereits fertig. Doch so schnell werden keine Passagiere vom Flughafen Berlin-Brandenburg abheben. Denn die Bauarbeiten verzögern sich um Jahre. Schuld ist vor allem der Brandschutz.
Die Schilder in Richtung Terminal sind bereits fertig. Doch so schnell werden keine Passagiere vom Flughafen Berlin-Brandenburg abheben. Denn die Bauarbeiten verzögern sich um Jahre. Schuld ist vor allem der Brandschutz. Foto: dpa

Dabei sieht die Baustelle von außen – denkt man sich ein paar Container und Bauzäune weg – schon wie ein richtiger Flughafen aus. Im Terminal-Gebäude mit dem großen weißen Schriftzug „ Flughafen Berlin Brandenburg Willy Brandt “ brennen die Lichter. Hier – wo der Grund der Verschiebung unsichtbar unter der Deckenverkleidungen liegt – kommt in dieser Woche niemand rein. Von früheren Besuchen ist bekannt: Wenn man nicht genau hinschaut, könnte das Gebäude mit den holzverkleideten Schaltern, hellen Böden und Decken nur so auf den ersten Passagier warten.

Durch eine seitliche, abgesperrte Tür aber sieht man von draußen jetzt Kabel von der Decke baumeln, ein oranges hängt aufgerollt direkt vor der Scheibe. Hier haben Experten wochenlang vermurkste Schaltpläne und den problematischen Brandschutz überprüft. „Wir haben es nicht früher erkennen können, wie der bauliche Zustand tatsächlich ist“, sagt Technikchef Horst Amann . Da hätten zigtausend Quadratmeter Decken, Böden oder Kanäle geöffnet werden müssen. In Teilbereichen der Brandschutzanlage müsse sogar geprüft werden, ob nicht ein Neubau „der schnellere Weg“ wäre als eine Nachsteuerung der bisherigen Anlage. Alles auf Anfang also?

Draußen liegen die Start- und Landebahnen fertig vor dem grauen Himmel, umgeben von braun-matschigem Winterrasen. Auf der einen hebt eine Easyjet-Maschine ab. Kein Start vom BER, das täuscht. Es ist ein Start vom SXF, dem alten Schönefelder Flughafen, dessen Süd-Landebahn die Nordbahn des neuen Flughafens werden soll. Die zweite Landebahn im Süden dagegen liegt still, fast idyllisch in der Brandenburger Landschaft. Kaum ein Licht, dahinter ein kleines Waldstück, grüne Felder. Ohne den ungemütlich kalten Regen und matschigen Boden würde die ruhig-friedliche Szenerie zum Spaziergang einladen.

Auch wenn nur ganz wenige Arbeiter zu sehen sind – ganz still ist die Baustelle nicht. „Das, was geregelt, gebaut, geplant werden kann, wird unverändert fortgesetzt“, sagt Amann. Auf dem Terminaldach beraten sich in einer Ecke drei Männer in oranger Warnweste. Auf dem Gelände laufen hier und da Arbeiter herum – laut Berichten müssen sie bald 600 falsch gepflanzte Bäume wieder rausreißen.

Architekt und Flughafenexperte Dieter Faulenbach da Costa sagt schon jetzt voraus, dass die Kapazität des neuen Flughafens nicht ausreichen wird, um die jährlich steigende Zahl der Passagiere abzufertigen. Bauexperten und Flughafengesellschaft hätten die Verkehrsentwicklung in Berlin nicht beachtet und seien offenbar mit veralteten Zahlen in die Planung gegangen. Das Ergebnis: Es gebe nicht genug Check-in-Schalter und Gepäckausgabebänder, die Gepäckförderanlage sei zu klein. Mit anderen Worten: Sobald BER eröffnet wird, müsse schon wieder über eine Erweiterung nachgedacht werden. Bis zur Eröffnung könnte es Faulenbach da Costa zufolge jetzt schlimmstenfalls noch bis 2016 oder 2017 dauern. Seiner Meinung nach spricht „nicht viel“ dagegen, den Flughafen abzureißen und komplett neu zu bauen.

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