Unstimmigkeiten in der Branche
Höhere Tabaksteuer wird erstmals nicht an Raucher weitergegeben

Münster -

Für die Raucher war die Sache eigentlich klar. Wenn die Tabaksteuer Anfang 2013 erhöht wird, steigt auch der Preis für die Schachtel Zigaretten. Umso größer ist nun die Überraschung. Die Schachtel kostet am Automaten noch immer fünf Euro – eine kleine Revolution: Erstmals seit Jahren hat die Tabakindustrie eine Steuererhöhung nicht an ihre Kunden weitergegeben. Grund sind offenbar Unstimmigkeiten innerhalb der Branche. Die Befürchtung: Ein plötzlicher Preissprung von fünf auf sechs Euro je Schachtel könnte viele Deutsche zu Nichtrauchern machen.

Dienstag, 05.02.2013, 10:02 Uhr

Traditionell setzt die Industrie Steuererhöhungen direkt um und schlägt noch ein wenig oben auf. Das bringt zusätzliche Einnahmen – und der Kunde muss sich nicht an krumme Preise gewöhnen. Die dritte von fünf geplanten Steuererhöhungen zum 1. Januar 2013 hat jede Zigarette um 0,18 Cent verteuert. Bei einer Schachtel mit 19 Zigaretten macht das rund 3,4 Cent. Die Preise im Supermarkt oder an der Tankstelle hätten deshalb – je nach Packungsgröße – zum Jahreswechsel um zehn oder 20 Cent angehoben werden müssen.

Lust am Rauchen

Die Sorge der Industrie, dass Kunden bei einer erneuten Preiserhöhung abspringen könnten, ist  nicht unbegründet: Nach Daten des Statistischen Bundesamts hat der Absatz in Deutschland mit 82,4 Milliarden verkauften Zigaretten im vergangenen Jahr ein Rekordtief erreicht. Gegenüber dem Vorjahr sank der Verkauf um fast sechs Prozent. Der Absatz des weniger stark besteuerten Pfeifentabaks ist nach Angaben der Statistiker hingegen gestiegen. Zum 1. Januar 2012 war die Tabaksteuer von 9,08 auf 9,26 Cent pro Zigarette gestiegen. Zu Jahresbeginn 2013 hat der Gesetzgeber den Betrag nochmals um 0,18 Cent auf 9,44 Cent je Stück angehoben. Zwei weitere Steuererhöhungen sind Anfang 2014 und Anfang 2015 geplant.

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Anders am Automaten

Weil die Geräte nur Euromünzen schlucken, müsste der Preis zumindest bei teuren Marken auf sechs Euro steigen. Derzeit kostet eine Schachtel Marlboro , Deutschlands beliebteste Sorte, am Automaten fünf Euro. Tricksereien beim Packungsinhalt sind der Industrie nicht mehr möglich: Der Gesetzgeber schreibt vor, dass in jeder Packung mindestens 19 Zigaretten stecken müssen.

Übliche Preiserhöhungen

Preiserhöhungen in der Tabakindustrie funktionieren nach einem ähnlichen Prinzip wie in der Mineralölbranche. Der Markt wird von den drei Großkonzernen Philip Morris (Marlboro), BAT (Lucky Strike) und Imperial Tobacco (Gauloises, West) dominiert. Üblicherweise erhöht der Branchengrößte den Preis, der Rest zieht nach. Um so größer wurde die Nervosität innerhalb der Branche, als Marktführer Philip Morris zum Jahresende keine Anstalten machte, den Preis für die Schachtel Marlboro über die Schwelle von fünf Euro zu heben, berichten Brancheninsider. Notgedrungen ließen auch die übrigen Hersteller die längst geplante Preiserhöhung in der Schublade und zahlen die Steuer zumindest vorerst aus eigener Tasche.

Bedeckte Unternehmen

Die Unternehmen selbst halten sich auffällig bedeckt. Marlboro-Hersteller Philip Morris möchte zur Frage, was bei der nächsten Steuererhöhung Anfang kommenden Jahres passieren könnte, lieber „keine Auskunft geben“. Auch das Hamburger Traditionsunternehmen Reemtsma, Teil des britischen Imperial-Tobacco-Konzerns, schweigt. Zu groß ist die Angst, ins Visier des Bundeskartellamts zu geraten, auch wenn die Bonner Behörde mit der Zigarettenindustrie bislang vergleichsweise pfleglich umgeht. Ein Kartellamtssprecher verweist etwa auf die „engen Vorgaben des Gesetzgebers bei der Preisgestaltung“.

An den Vorschriften hatten die Unternehmen allerdings fleißig mitgestrickt. 2010 hatte die Bundesregierung in enger Abstimmung mit der Zigarettenindustrie beschlossen, die Tabaksteuer in fünf Trippelschritten anzuheben. Die Hersteller setzen darauf, dass sich die höheren Preise durch die Stückelung nicht negativ auf den Absatz auswirken. Das nutzt auch dem Fiskus: An jeder Schachtel verdient der Staat dank Tabak- und Mehrwertsteuer rund 3,70 Euro.

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