Wohlfahrtsverbände schlagen Alarm
Pflege im Minutentakt : Zu wenig Zeit und Geld für Patienten-Betreuung

Münster/Düsseldorf -

Gestresstes Pflegepersonal, kaum Zeit für Patienten, steigende Kosten – die Wohlfahrtsverbände haben in Düsseldorf und Münster eine landesweite Initiative für bessere Bedingungen in der häuslichen Krankenpflege gestartet. „Die unzureichende Finanzierung geht schon heute zulasten der Patienten und des Pflegepersonals“, sagte der Vorsitzende der Freien Wohlfahrtspflege in NRW, Hermann Zaum.

Dienstag, 16.04.2013, 07:04 Uhr

Wohlfahrtsverbände schlagen Alarm : Pflege im Minutentakt : Zu wenig Zeit und Geld für Patienten-Betreuung
Foto: Colourbox

Die laufenden Kosten seien über die niedrigen Vergütungen der Kassen nicht mehr zu decken. Für die Patienten bleibe immer weniger Zeit. Unter dem Motto „Hilfe! Mehr Zeit für Pflege !“ sind bis zum 28. April mehr als 40 Aktionen in ganz NRW geplant, darunter Demonstrationen, Autokorsos und Info-Stände.

Laut Caritas in der Diözese Münster sind die Personalkosten in der ambulanten Pflege in NRW in den vergangenen zehn Jahren um 20 Prozent gestiegen. Die Krankenkassen haben jedoch nur eine Steigerung von sieben Prozent bewilligt. Dagegen klagen die Landes-Wohlfahrtsverbände derzeit vor dem Sozialgericht in Essen. Sie wollen mehr Geld, um ihre Pflegekräfte besser bezahlen zu können. Während diese noch vor zehn Jahren pro Tour 13 Patienten versorgt haben, sind es inzwischen schon 16.

Für den einzelnen Patienten bleibt laut Caritas schlicht zu wenig Zeit. Der Stress wächst – der Nachwuchs bleibt aus. „Der Minutentakt muss exakt umgesetzt werden“, sagte Diözesancaritasdirektor Heinz-Josef Kessmann gestern. „Das, was die Kunden von uns erwarten: Betüddelt zu werden, mal ein aufmunterndes Gespräch – dafür gibt es keinen Spielraum.“

Für viele häuslich Versorgte ist das Pflegepersonal der einzige Kontakt zur Außenwelt. Dennoch bleiben auf den eng gestrickten Touren nur wenige Minuten für die Kontrolle des Gesundheitszustands, das Verabreichen von Medikamenten und die Versorgung von Wunden. „Das Versorgen von schlimmen Wunden dauert oft 45 Minuten“, sagt die Leiterin eines Krefelder Pflegedienstes, Regina Pascoletti. Vergütet wird diese Behandlung pauschal mit 16,31 Euro, „unabhängig davon, ob wir nur eine oder fünf Wunden versorgen.“ 

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